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Natura Morta, I-Pagina 10/2016

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Osterlaender Rundschau Seite 6, Lindenau Museum 2015 /2016

Still werden. Still stehen. Still lesen.

Der Berliner Fotograf Oliver Mark fotografierte in der Bibliothek des Goethe-Instituts Irland Menschen mit ihren Lieblingsbüchern deutschsprachiger Autoren. Entstanden ist die Ausstellung „Still…Lesen“, eine Fotoserie von hypnotischer Schönheit. Nach den Erkenntnissen einer Studie der Emory University von 2013 sind Menschen, die „noch immer“ Bücher lesen, empathischer und fähiger zur Selbstreflexion als der nichtlesende Rest, kurzum: die besseren Menschen. Das war nicht immer so. Lesen (insbesondere von Romanen) galt im Zuge der Lesesuchtdebatten des 18.Jahrhunderts als hochgradig gefährlich! War das Buch zuvor ausschließlich dem religiösen und wissenschaftlichen Studium vorbehalten gewesen, so zog jetzt die ursprünglich mündliche Tradition des Geschichtenerzählens in die Folianten ein. Die Fiktion bevölkerte die Seiten zwischen den zwei Buchdeckeln und drang in die Köpfe der Menschen ein, die deshalb, so der Tenor der aufgeschreckten Lesekritiker, allen voran Aufklärer Joachim Heinrich Campe, die Realität vernachlässigten und im Plot eines Liebesromans steckenblieben. Verloren für die Welt waren diese neuen stillen Leser und vor allem: Leserinnen. Begierig „verschlangen“ die lesenden Frauen die literarischen Welten und verdarben sich gründlich den Magen und den Charakter. Böse Belletristik! Denn am Ende hatten die Leserinnen noch so etwas wie…. Phantasie! Am Ende wünschten sie sich noch was! Und wo blieb da das wahre Leben, dass da hieß: Kinder, Haushalt, Arbeit, Mann? Wäre eine Ausstellung wie diese im 18. Jahrhundert also ein Skandal gewesen? Wie sehr hat sich unsere Wahrnehmung des Lesens von Büchern seitdem geändert! Ehemals dämonisiert, genießt das Buch und der Lesende jetzt in den Zeiten der schriftlichen Kürze von Tweets, Facebook und soziale Medien einen hohen intellektuellen Status. Jetzt sind es die digitalen Welten, die Besorgnis erregen. Macht Facebook uns einsam, wird gefragt. Und: was wird aus unseren Bibliotheken? Wie zeitgemäß ist eine Fotoserie demzufolge, die Menschen in Büchern lesend darstellt? Man denke an die neuen Formen des Lesens: den Kindle, das Ebook und die auf das Internet beschränkten Publikationen. Aber – wer möchte wirklich einen Kindle auf einem Ausstellungsfoto sehen? Noch immer besitzt das Buch aus Papier eine besondere Strahlkraft, ist noch immer Sinnbild des Wissens und der kontemplativen Versenkung. Das Buch kann aufgeschlagen, geöffnet, angefasst werden. Noch immer kann durch die Gänge einer Bibliothek gestreift werden, auf der Suche nach dem neuen Lieblingsbuch. Kein Bildschirm wird dies ersetzen können. Wie die Geschichte des Lesens so steht auch die bildliche Darstellung des Lesenden in langer Tradition. Auch hier lässt sich der Übergang des auf die religiöse Lektüre konzentrierten Heiligen zum lesenden Laien wiederfinden. Eines haben die Bilder von Lesenden jedoch durch die Zeiten gemeinsam: den auf das Buch oder den Brief gesenkten Blick. Sei es die in der Bibel lesende Maria der Renaissance, Dürers Hieronymus oder die lesende Frau von Vermeer – um alle Figuren schwebt eine Aura der Innerlichkeit und stiller Versenkung. In dieser Tradition, der Sphäre der Malerei verwandt, steht Oliver Marks Fotoserie „Still…Lesen“. Die Bilder sind ein sorgfältig inszeniertes Zusammenspiel von Licht und Raum, aus dem die Lesenden geheimnisvoll hervorleuchten. Sie scheinen der Wirklichkeit entrückt, die Zeit um sie scheint stehen geblieben. Intim wirken diese Porträts, gleichzeitig werfen sie Fragen auf: welches Buch fesselt die Leser? Welche Gedanken bleiben verborgen? Fast glaubt man, in die innere Welt der Dargestellten blicken zu können und kann es doch nicht. Es ist eine zärtliche Fotografie, die Oliver Mark im Goethe-Institut Irland präsentiert, eine Inszenierung der Stille und des Innehaltens in einer Welt, in der es wie der Philosoph Byung-Chul Han feststellt an „Zwischenräumen“ fehlt. Die Bibliothek jedoch bietet noch immer einen solchen Zwischenraum. Ein Lesender der Serie bringt es im der Ausstellung beigefügten Fragenkatalog auf den Punkt: Die Bibliothek ist „ein Zufluchtsort in einer hektischen Welt, ein Ort der stillen Kontemplation, Erkundung, des Studiums, der Entspannung und des Wachstums.“

Anne Klapperstück, Dublin / Ireland 2015

MENSCH No.2 Das Magazin von SCHPPER COMPANY 4/2015Schipper Company  " Mensch Magazin"

Schipper Company  " Mensch Magazin"

Oliver Die ganze Wahrheit über Oliver Mark
Oliver Nutte Künstler Fotograf
Berlin, Mai 2014

Bild 2013

Die Magie des Polaroids ist seine Fragilität, seine Schutzlosigkeit und seine Einzigartigkeit. Es entwickelt sich im hellen Licht vor unseren Augen und ist währenddessen sehr anfällig für Gebrauchsspuren. Als Medium bewegt es sich zwischen dem iPhone- und dem Paparazzofoto. Seine Musen sind der Moment und das spontane Motiv. Seine Beute will auf der Stelle gewürdigt, verwendet, herumgezeigt werden.
Im Pariser Marais der 1970er-Jahre bog ich des Nachts einmal mit Freunden in eine enge Straße ein und traf auf ein seltsames Shooting. Eine knapp bekleidete Frau, der die Hände mit Handschellen auf den Rücken gebunden waren, posierte vor einer blitzend schwarzen Limousine. Wir defilierten schnell daran vorbei. Doch auf dem Rückweg, als die Straße wieder verlassen dalag, entdeckten wir im Müll neben Fotografenabfall auch ein Polaroid. Ein paar Wochen darauf hing die gefesselte Dame lebensgroß im Schaufenster einer Parfümerie. Es brauchte noch eine Weile, bis mir klar wurde, dass wir in jener Pariser Nacht Helmut Newton begegnet waren. Das Polaroid, das ich als Beleg für unser Abenteuer längst verschenkt hatte, wurde zum abwesenden Fetisch, zum Beweisstück dafür, dass wir dort gewesen waren. Denn ein Polaroid stammt immer direkt vom Ort des Geschehens.
Oliver Mark hat seine Polaroidkamera nicht nur bei offiziellen Engagements, sonder auch im Berliner Nachtleben immer dabei. Sein Material verdankt er dem "Impossible Project" von ein paar Visionären, die verrückt genug waren, die letzte Polaroid-Fabrik nach der Insolvenz von Polaroid zu übernehmen. Dank "Impossible" werden in Enschede auf den alten Maschinen mit neuer Chemie weiter Sofortbild-Filme produziert. Oliver Mark setzt dieses Material spielerisch ein, bei jenen Gelegenheiten, die herausfordernd und vielleicht auch verstohlen sind. Den Bildern ist anzumerken, dass sie ohne Auftrag waren. Das Anorganische zieht die Kamera wie die Menschen an. Die Fotos sind nicht unbedingt scharf, aber sie folgen der Intuition. Benedikt XVI., dem in just dieser Perspektive mit der hohen Lehne seines Sessels Flügel zu wachsen scheinen, ein nackter Torso, dessen Punktum die halb heruntergestreifte BH-Schale ist, das entwaffnende Lachen eines Pissoir-Schnappschusses, Madeleine Albrights geballte Energie im Vorbeigehen, Daniel Richter mit Freunden: drei selbstbewusste, siegessichere Blicke aus der Kunstpartywelt. Der brutalistische Anschnitt macht die Sofortbilder noch hypnotischer. Fehler wie Fingerabdrücke und chemische Verwischungen können ihrer Kraft nichts anhaben. Diese Zeugen sind mit der Flüchtigkeit und dem leichten Irrsinn der Wahrnehmung begabt, akut, evident und doch umwiederholbar. 

Ingeborg Harms 2013

 The magic of the Polaroid photo lies in its fragility, its vulnerability and its singularity. It develops in normal light before our eyes and during this time is very sensitive to accidental damage. As a medium, it ranges somewhere between the iPhone and the paparazzi photo. Its muse is the ever-present moment, the spontaneous image. The resulting picture insists on being shown around, to be admired and utilized.
One time when I was in Paris in the 1970's , I happened to be going down a narrow street in the Marais with some friends when we chanced upon an extraordinary photo session. A scantily clad woman, arms handcuffed behind her back, was posing in front of a shiny black limousine. We scurried hastily past. But on our way back, when the street was empty again, we found a Polaroid photo, lying on the ground along with some other photo-junk. A couple of weeks later, the pinioned lady was displayed, life size, in the shop-window of a perfumery. It took me a while before I realized we had, that evening, run into Helmut Newton. I had already given away the Polaroid as proof of our adventure, but for me it remained an absent fetish, the vital evidence that we had really been there, for a Polaroid always originates directly from the place where it was taken.
Oliver Mark takes his Polaroid camera with him wherever he goes, not just for official engagements, but also out into the Berlin nightlife. For his film material he has to thank the "Impossible Project" – a few visionaries who where crazy enough to take over the last Polaroid factory after the company went bankrupt. Thanks to "Impossible", instant photo film is still being produced in Enschede today, on the same old machines but with new chemicals. Oliver Mark uses this material playfully for some of his more challenging and, perhaps, more furtive missions. It's easy to see at a glance that these pictures were not commissioned. The camera is drawn to the animate and inanimate alike. The photos are not always sharp, but they are intuitive. Pope Benedict XVI on his high-backed chair – from this perspective it looks like he has just grown wings; a naked torso where the message is the half-slipped-off bra; the disarming grin on a pissoir snapshot; Madeleine Albright's powerful stride as she marches past; Daniel Richter and friends: three self-assured, confident gazes at an art-world party. The brutalist framing makes the instant picture even more hypnotic. Even mistakes like a fingerprint or a chemical smudge cannot diminish their powerful impact. These witnesses are imbued with the transience and slight madness of perception: immediate and clear, but unrepeatable.

Ingeborg Harms 2013

PHOTONEWS Dezember 13 - Januar 14 
Oliver Mark, Schnell und sensibel 
Autor: Anna Gripp

Digit!

Luxury Magazine 2013 - CH / RU

Arsprototo, Magazin der Kulturstiftung der Länder 12/2009 

Nicht nur für Arsprototo, sondern auch für Architectural Digest, Vogue und Time Magazine hat der international tätige Fotograf Oliver Mark schon gearbeitet. Ob Jeff Koons lachend auf einem Plastikball, Bildhauer Richard Serra verschwindend in einer seiner Monumentalskulpturen oder Museumsdirektorin Renate Eikelmann als Stele zwischen Stelen: Oliver Mark hat in den zurückliegenden 15 Jahren zahllose bekannte und unbekannte Zeitgenossen portraitiert, teils effektvoll inszeniert, teils nur auf das Gesicht als Spiegel menschlichen Seins reduziert. Ergänzt um Texte von Christoph Amend. Ingeborg Harms, Jonathan Meese u. a. zeigt "Oliver Mark - portraits" 140 der bekanntesten und eindrucksvollsten Arbeiten des 1963 geborenen Fotografen. - vom wenige Monate alten Eisbären Knut für das legendäre Cover der Vanity Fair bis hin zur über 90-jährigen Louise Bourgeois in New York.

Art - Das Kunstmagazin 12/2009 

Gelebtes Leben; Oliver Mark 
"Fotografie", grollte österreichs Meistergrantler Thomas Bernhard einst, sei " die Katastrophe des 20. Jahrhunderts" - aber wie ungerecht dies übellaunige Urteil ist, kann der Betrachter jetzt wieder an den Bildern von Oliver Mark feststellen. Vor allem mit seinen Prominentenportraits widerlegt der 1963 in Gelsenkirchen geborene Fotograf das Diktum des Dichters: Eine Aufnahme des alten Filmabenteurers Hardy Krüger erweist sich als ebenso genaue Charakterstudie wie ein Foto, das den Maler Georg Baselitz vor einem seiner markant-heftigen Bilder zeigt; der Theaterregisseur Claus Peymann wird vor Marks Kamera zum melancholischen Herrscher mit Pappkrone, und Entertainer Udo Jürgens löffelt müde eine Bouillon. " Ich finde es schön", sagt Mark, wenn man den Portraitierten auch ihr gelebtes Leben ansieht." 

Oliver Mark - Der stille Regisseur
Bis zur Erfindung der Fotografie war es den Malern vorbehalten, sich und uns ein Bild der Mächtigen und Reichen zu machen. In schweren Rahmen füllen Porträts Gemäldesammlungen auf der ganzen Welt. Nicht als ölbild, sondern als Fotografie werden heute vor allem Menschen porträtiert, die das Zeitgeschehen prägen. Millionenfach begegnet uns das offizielle Regentenbildnis und Unternehmerporträt, das Künstlerbild oder der Starschnitt als Fotografie in den Zeitschriften, in den Nachrichten, im Internet. Manche Porträts überstehen die schnelle Zeit und werden zum bekanntesten Bild eines Stars, an das sich die ganze Welt erinnert. Ein junger Meister dieses Genres ist der Fotograf Oliver Mark. Seitdem er 1994 den Maler A. R. Penck porträtierte, hat er Künstler, Schauspieler, Musiker, Politiker, Sportler und viele andere Persönlichkeiten mit der Kamera inszeniert. Es gelingt ihm, leise und ohne dramatische Effekte die Menschen vor seinem Objektiv auf ungewöhnliche und doch treffende Weise zu zeigen. Wo der Maler den Raum, das Licht, die Insignien des Reichtums oder der Macht frei in der Bildkomposition zusammentragen kann, hat der Fotograf wenig Freiheit, etwas hinzuzufügen. Er muss am konkreten Ort, in der vorhandenen Einrichtung sein Bild erfinden und in dieser Szene den Menschen zum Sprechen bringen. Oliver Mark führt am Set Regie, ohne dass man es bemerkt. Er benutzt alles, was er vorfindet, für seine subtilen, vielschichtigen Bildkompositionen. Er betritt die Szene wie ein Spaziergänger, der gerade des Weges kommt, neugierig, ohne aufdringlich zu sein. Die Assistenten bauen geräuschlos und schnell Lichter, Stativ und Kontrollmonitor auf. Oliver Mark beginnt das Gespräch mit der Hauptperson, während er unauffällig dirigiert, wie die Bühne für das Bild aussehen soll. Selbst wenn am Ende nichts mehr da steht, wo es war, bleibt die Atmosphäre ganz natürlich. Oliver Mark schafft mit seiner Kamera eine erstaunliche Nähe statt Distanz. Er passt die Porträtierten in die Umgebung ein, ohne sie zu verbiegen. Hier wird ohne Hektik und Lärm fotografiert - nur so öffnen sich Gesichter. Mit Oliver Mark schaut der Betrachter immer ein wenig in die Person hinein. Selbst scheue Stars verleitet er dazu, seinem bildnerischen Instinkt zu folgen. Manche lassen sich kunstvoll in Szene setzen, andere kommen gerade durch das Weglassen von Attributen besonders zur Geltung. So sind viele seiner Porträts auch sichtbare Dia- loge mit den Menschen, die er im Auftrag von Zeitschriften und Magazinen fotografierte. Fast hört man noch, was der Fotograf mit Tom Hanks, Mia Farrow oder Roberto Cavalli geredet hat, und kann sich die Antwort vorstellen - so vertraut, privat, so selbstverständlich sieht die Aufnahme aus. In einem scheinbar beiläufigen Moment entsteht das Bild, das uns später im Gedächtnis bleiben wird. Ein fremder Blick - ganz vertraut auf Menschen, die wir durch Oliver Mark irgendwie gut kennen. Achim Heine. 

Welt am Sonntag, 4. Oktober 2009

17.04.2009


Red Box: Interview mit Oliver Mark, Fotograf aus Berlin

Red Box-Interview mit dem Berliner Fotografen Oliver Mark, der unter anderem bekannt ist für seine Künstlerporträts und Promi-Aufnahmen, aber auch für Modestrecken und Architekturfotografie.

Red Box: Herr Mark, wie bereiten Sie sich auf ein Shooting vor? Recherchieren Sie beispielsweise für ein Promi-Porträt über die Person ausgiebig vorab? 
Oliver Mark: Ganz genau. Zunächst suche ich im Internet Informationen über die Person beziehungsweise über das, was sie machen. Einige wenige Kunden schicken mir ein Expose mit Bildern und kurzer Vita der Protagonisten. Dann versuche ich einen Zusammenhang herzustellen. Das gelingt leider nicht immer, aber zumindest bekommt man dadurch einen Eindruck von dem Menschen, den man vor sich hat. 

Red Box: Sie meinen damit, einen Zusammenhang zu finden zwischen dem Porträtierten und dem Ort des Shootings? 
Oliver Mark: Ich gebe Ihnen ein Beispiel. Ich habe im vorletzten Jahr Thomas Harlan für "Vanity Fair" fotografiert. Das ist der Sohn von Veit Harlan, dem Regisseur von "Jud Süss". Thomas Harlan lag damals in einer Lungenklinik, bei ihm arbeiten nur noch 18 Prozent seiner Lungen und ich habe ihn gefragt, wie viel ich ihm zumuten kann. Er erwiderte: "Sie können mir alles zumuten." Also bin ich mit ihm auf den Obersalzberg gefahren, eben weil sein Vater diese Nazi-Filme gemacht hat und der Sohn sich mit der Vergangenheit seines Vaters auseinander gesetzt hat. Er hat mir später eine E-Mail geschickt, in der er sich für die wunderbaren Porträts bedankt hat. 

Red Box: Wenn Sie bekanntere Persönlichkeiten oder Künstler porträtieren, entstehen da manchmal Konfliktsituationen, weil mit Ihnen dann zwei Künstler aufeinandertreffen, wobei der eine dem anderen eventuell in die Arbeit hineinredet? 
Oliver Mark: Das ist ganz selten der Fall. In der Regel sind die Begegnungen auf Augenhöhe und die Menschen vertrauen mir. Ich lasse aber auch niemanden schlecht aussehen. Es ist allerdings mal vor ein paar Jahren vorgekommen, dass ich Menschen mit zu viel Respekt begegnet bin. Zum Beispiel Harry Belafonte, von dem ich so beeindruckt war, dass das Foto nicht so gut geworden ist, wie ich es gerne gehabt hätte. 
Red Box: Können Sie beschreiben, wieso es nicht so gut geworden ist? 
Oliver Mark: Ich war so beeindruckt von dem, was er geschaffen hat, von seiner Persönlichkeit und Ausstrahlung, dass ich nicht mehr frei war im Kopf - das Ergebnis war langweilig, auf dem Bild war dann nur Harry Belafonte. 

Red Box: Gibt es Shootings, wo Sie den Porträtierten ein bisschen ermutigen müssen, etwas zu wagen oder nicht zu eitel zu sein? Stichwort Foto-Retusche 
Oliver Mark: Manchmal kommen im Nachhinein Anfragen, ob man dies oder jenes retuschieren könne und einen kleinen Pickel mache ich schon weg. Ich unterscheide da zwischen den Aufträgen. Die Werbewelt ist kaum noch ohne Retusche denkbar, wohingegen in der redaktionellen Welt die Grenzen fliessend sind. Aber ich bin kein Freund von allzu glattretuschierten Bildern. Ich finde es schön, wenn man den Porträtierten auch ihr gelebtes Leben ansieht. 

Red Box: In welchem Bereich arbeiten Sie denn lieber - im redaktionellen oder werblichen? 
Oliver Mark: Das ist wie beim Essen: Wenn ich nur Currywurst mit Pommes esse wird es irgendwann langweilig. Und so ist es in der Fotografie auch. Ich komme aus der Modefotografie und mache hier wieder verstärkt Produktionen. Am vergangenen Wochenende habe ich den Maler Jonathan Meese für ein Buch porträtiert. Nächste Woche fange ich eine grosse Porträt-Geschichte für den "Stern" an, danach eine Modeproduktion für die "Elle". Eine Werbeproduktion für z.B. eine Versicherung oder Bank macht mir ähnlich viel Spass. 

Red Box: Können Sie denn kurz benennen, was die drei Bereiche Porträt, Werbung und Redaktion/Interieur auszeichnet? 
Oliver Mark: Durch die höheren Budgets ist in der Werbefotografie ein professionelleres Arbeiten möglich. Ein Beispiel: Ich hatte kürzlich eine redaktionelle Modestrecke mit mehreren Locationwechseln und diversen Probes gemacht. Eine Modeaufnahme sollte mit einer reinrassigen Dogge gemacht werden, die andere auf einem Berliner Dach mit Blick über die Stadt. Die Kosten für die Dogge und das Dach waren ungefähr die gleichen. Es wurde das Dach und der Mischling des Visagisten. Bei den redaktionellen Produktionen sind die Teams oft kleiner, so dass eine andere Intimität der Bilder entsteht, da nur wenige Menschen am Set sind. 

Red Box: Was erwarten Sie von einer Repräsentanz bzw. was ist Ihnen wichtig? 
Oliver Mark: Die Aussenwirkung natürlich. Und dass mir die lästige Büroarbeit abgenommen wird. Wenn möglich, möchte ich nur fotografieren. 
Red Box: Wie viel Akquise muss man bei Ihrem Bekanntheitsstatus noch betreiben? 
Oliver Mark: Na ja, je höher man auf der Karriereleiter steigt, desto schwieriger ist es, dort zu bleiben. Also ist die Arbeit der Repräsentanz sehr wichtig. Ich versuche immer, eine Mischung der Aufträge hinzubekommen, also sowohl grosse Kampagnen als auch Strecken für Independent-Magazine. Damit man überall am Markt präsent ist. 

Red Box: Sie haben zunächst eine klassische Fotografen-Ausbildung gemacht und danach zwei Jahre assistiert. Würden Sie sagen, dass eine Ausbildung auch heute noch sinnvoll ist? 
Oliver Mark: Ich denke, man bekommt eine gute Grundlage durch die Ausbildung, wobei es auch funktioniert, nur einige Jahre als Assistent zu arbeiten. Ob jemand gut ist, entscheidet sich erst, wenn es mal nicht gut läuft. Dann kann es hilfreich sein, wenn man auf Erfahrungen aus der Ausbildung oder Assistenz zurückgreifen kann. Ich höre heute oft: "Das kann man mit Photoshop machen". Man kann das, sage ich, aber auch oft mit Licht machen. Zurück zur Ausbildung: Ich glaube, man sollte sich zunächst klar sein, ob man in die angewandte Fotografie will oder den künstlerischen Weg geht. Danach entscheidet sich, ob Ausbildung oder Studium angesagt sind. 

Red Box: Zum Abschluss: Was haben Sie in den vergangenen Jahren an Veränderungen im Markt wahrgenommen? 
Oliver Mark: Die Qualität ist deutlich besser geworden, in allen Bereichen. Als ich anfing als Assistent, gab es nur eine Handvoll bekannter Modefotografen. Heute gibt es viele Fotografen, die spezialisiert sind. Da wird der Kuchen dann natürlich kleiner. 
Oliver Mark startete 1986 mit einer Ausbildung in den Fotografenberuf, assistierte danach bis 1991 bei Burda Studios Offenburg in der Modefotografie. Für vier Jahre arbeitete er festangestellt in einem Werbestudio in Nürnberg. Seit 1994 bis heute porträtiert er Künstler sowie Personen des öffentlichen Lebens, unter anderem Sir Anthony Hopkins, Cate Blanchett, Balthus, Botho Strauss, Tom Hanks, George Lukas, Jerry Lewis, Sir Peter Ustinov, Jenny Holzer, Joschka Fischer und viele Andere. Seit 1997 ist Oliver Mark freiberuflicher Fotograf in Berlin und arbeitet etwa für AD, Die Zeit, Playboy, Der Spiegel, Time, Elle, oder Stern. 1999 folgte die Aufnahme in den BFF. 

Oliver Mark gibt Vorlesungen und Workshops für das Bundespresseamt, die Fachhochschule Dortmund/University of Applied Sciences 2008 bekam Mark für "Ich, Knut", einem Titelbild für die "Vanity Fair", den LeadAward in Silber für das Cover des Jahres. Oliver Mark stellt regelmässig aus, im vergangenen Jahr bei der "Zeit"-Ausstellung "Ich habe einen Traum" und bei "Schöne neue Welt" des BFF. Im April startet "Trash and Press" mit Fabrizio Bensch im Hotel Bogota, Berlin (25.4. bis 07.06.). Im Oktober erscheint ein Buch mit seinen Porträts im Hatje Cantz Verlag.

Berliner Morgenpost 23.10.2006

ELLE, MARCH 2006

Charakterköpfe - Wer könnte das Wesen der Menschen besser ans Licht bringen als Portraitfotografen?
Wir stellen Ihnen Deutschlands neue Generation vor - die jetzt schon weltbegehrt ist!

Wer sich von Oliver Mark portraitieren lässt, macht einiges mit. Dramatiker George Tabori legte sich mit 89 Jahren fuer den Berliner Fotografen auf eine Blumenwiese - gedacht als Sinnbild für Taboris blühende Kreativität. "Für so was ist überzeugungsarbeit nötig", sagt Mark. Deshalb sichtet er schon vor dem eigentlichen Shooting die Location, setzt einen Assistenten als Double ein und schiesst Probefotos. "Die meisten lassens ich damit schnell begeistern!" Wie Star Wars Erfinder George Lucas, der sich mit einem Kissen vor der Markeschen Kamera schlafen legte. Oder wie Regisseur Claus Peymann, der im eigenen Vorgarten den Theaterkönig mit Pappkrone gab. Die Philosophie dahinter: "Das Publikum hat sich an die Gesichter der Prominenten gewöhnt,also muss ich sie auf neue, aber treffende Weise präsentieren. Die Fotos des 42-Jährigen hingen bereits in zahlreichen Ausstellungen und erscheinen in Zeitschriften wie "MAX", "PLAYBOY" oder "ARCHITECTURAL DIGEST".
STEFAN SKIERA

Auf die Inszenierung kommt es an: Künstlerportraits von Oliver Mark bei "imago fotokunst"

Was bringt einen Fotografen dazu, sich auf Portraits von Künstlern zu kaprizieren? Ist es das Verlangen, Menschen kennenzulernen, deren Werk und Tun dem eigenen Empfinden nahesteht? Oder schlicht und einfach der Wunsch von Ihnen angeschaut zu werden oder sogar ein Lächeln zu ernten? Wenn Oliver Mark,1963 in Gelsenkirchen geboren,dies vorgeschwebt haben sollte, so darf er sich über den Erfolg freuen. Marianne Hoppe lacht geradezu in die Kamera, und Heinz Berggruen schenkt Mark, natürlich vor dem Hintergrund eines Dora-Maar-Gemäldes von Picasso, ein Blick von unbezahlbarer Liebenswürdigkeit. Gewiss, andere lächeln nur verhalten, wie der im Vorjahr verstorbene Balthus oder der Pariser Fotoveteran Paul Almasy.Markus Lüpertz hält die Augen in einer schwermütigen Kopfbewegung einen Spaltbreit offen, Emil Schumacher schwenkt zwei grosse Pinsel vor der Brust, als wären es Trommelstäbe, während Katja Riemann in einer Decke gehüllt, zu schlummern vorgibt. Das Posieren ist doch der Künstler liebste Beschäftigung. Und es wundert schon gar nicht, dass sich das Enfant terrible der jüngsten Postmoderne, Jeff Koons, vor einer seiner Bildschöpfungen mit schmachtend geöffneten Lippen, Vogelaugen und Maiskörnern in Rückenlage auf einem Plastikball präsentiert, das Gesicht beifallheischend dem Fotografen und Publikum zugewandt.
Ausgerechnet dieses Foto ziert die Einladung zur Ausstellung in der Galerie " imago fotokunst" ,die sich, ihrem Profil entsprechend, für Schwarzweissarbeiten
von Oliver Mark entschieden hat. Allein das Antlitz von Anthony Hopkins darf, in dämonischen Halb- schatten gehüllt, eine leicht unheimliche Farbwirkung entfalten. Die Tür im Hintergrund kann beliebig als Symbol für den Ein- oder Ausgang der Horrorwelt interpretiert werden.
Intensivere Wirkungen erzielt Mark stehts da, wo allein das Gesicht dem Betrachter eine Aufgabe stellt. Wer ist Louise Bourgeois, mag mancher vor dem Porträt der grossen alten Dame der amerikanischen Plastik fragen, aber angesichts dieser von zahllosen Falten durchzogenen, streng beherrschten Wangen und Stirn, der geschlossenen Augen, die auf eine innere Stimme zu lauschen scheinen, und der stützend und zugleich arbeitsbereit an das Kinn gelegten Hände einer vom Licht wie herausgemeisselt fotografischen Büste wird die Frage fast überflüssig.
Nicht jeder kann und muss alle die Abgebildeten kennen. Wer zum Beispiel ist die dunkelhäutige "Helen", um deren Stirnansatz uns der Fotograf gebracht hat, um desto tiefer ihre über die Schultern wallende Haarpracht zu geniessen? Die Ausstellung könnte eine Aufforderung sein, über die Wege der Moderne, ihre alten und jungen Protagonisten wie deren Förderer nachzudenken. In erster Linie aber ist sie Zeugnis ausgereifter fotografischer Portraitkunst, die sich vor Inszenierungen nicht scheut,wenn es dem bedeutungsvollen Augenblick dient. Mag ihm die Aufmerksamkeit auch schmeicheln - im Dialog mit den Künstlern vergisst Oliver Mark nie die eigene Komposition, die erst zwischen dem Auserwählten vor dem Objektiv und dem Betrachter das vermittelnde Medium schafft.
HANS-JüRGEN ROTHER

DIE WELT, Samstag 14.Juli 2001

Eingefrorenes Innenleben, Die Porträts von Oliver Mark entstehen im Austausch von kreativer Energie zum Objekt

Der künstlerische Mensch, ob kontextlos eingefangen oder in subtiler Inszenierung, scheint dem Foto -Künstler Oliver Mark aus Berlin das grösste Faszinosum zu sein. 
Der inspirierte Mensch, betrachtet man die Palette der Markschen Portraits, wird für den 1963 in Gelsenkirchen geborenen Fotografen zum inspirierenden Objekt. Gesichtszüge, individuelles Minenspiel, die mystische Aura der Kreativen studiert und bildet er ab. Dabei scheint ein symbiosehafter Austausch von kreativer Energie seine Porträts erst zu ermöglichen, von denen eine Auswahl, entstanden zwischen 1995 und 2001 derzeit in der Galerie "imago fotokunst" zu sehen ist, die sich mit einem breit gefächerten Ausstellungs- programm, meist Schwarz- Weiss Fotografien, sowie einem Workshop-Angebot einen Namen in der Berliner Kulturszene gemacht hat. 
Oliver Mark schleicht sich in das schwer fassbare Innenleben von Menschen,friert es für einen Bruchteil einer Sekunde ein und lässt es somit visuell erfahrbar werden für den Betrachter. Der kann in den Zügen,Minen und Gesten der Schauspieler,Sänger,Maler lesen, versuchen, die Geschichten dahinter zu ergründen. 
So viele hatte Mark vor der Linse: Anthony Hopkins mit tief zerfurchtem Gesicht und Jeff Koons, sich wie gewohnt in Lederjacke auf einem Plastikball räkelnd. Von der Installationskünstlerin Jenny Holzer nur die Hände, diese magisch gestaltenden Hände nach dem Motto "Hände sagen manchmal mehr als Gesichter".Katja Riemann, Embryonalhaltung in eien Wolldecke gehüllt, Heinz Berggruen oder eine Studie von sechs Norbert Tadeusz-Porträts, der mal sein Gesicht zermartert, mal seine Wangen auseinander-, seine Lider nach unten zieht oder sich gleichsam den Schlaf oder die Sorgen aus den Augen wischt. 
Autoren, Malerminen, genial-kaputte Typen, immer wieder die Bohäme auf ihre typisch elitäre Art. Mark arbeitet nach Jahren als Fotoassistent im In- und Ausland und einer Festanstellung als Fotograf bei den Burda Studios in Offenburg seit 1997 als freier Fotograf in Berlin und konnte sich durch mehrere nationale Ausstellungen etablieren. 
Seine ihm charakteristische Manier, seinen Motiven nicht atemlos und paparazzihaft hinterher zu jagen, sondern sich in die Geistes- und Sinneswelt seiner Objekte einzufühlen, des weiteren sein an John Deaken angelehnter lapidar- offener Stil, machen sein Oeuvre so authentisch und ehrlich. So ehrlich wie die sprühenden Augen von Marianne Hoppe oder der sinnlich- geheimnisvolle Blick des erst kürzlich verstorbenen Malers Balthus auf seinen Portraits. 
FRANK WEGNER

Rolling Stone, 2011