Oliver Mark

Natura Morta - Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien  
Photographien von Oliver Mark in Korrespondenz zu Stillleben-Gemälden der Sammlung
Natura Morta - Naturhistorischen Museum Wien
Photographien von Oliver Mark in Korrespondenz zu mit Tierpräparaten des NHM Wien
26. April 2017 – 16. Juli 2017

 - Oliver Mark

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In seinem aktuellen Projekt Natura Morta widmet sich Oliver Mark der Frage nach dem Umgang des Menschen mit Natur und Umwelt, insbesondere der Tierwelt, aber auch der Ästhetik und Schönheit des Todes. "Natura Morta" - übersetzt mit "tote Natur" - wurde im 17. und 18. Jahrhundert im Niederländischen zu "stil leven" und im Deutschen zu "Stillleben". Damit hatte der Begriff sich vom Lateinischen bzw. Italienischen entfernt, obwohl er Ähnliches, aber nicht Identisches ausdrücken wollte, wenn man Leben mit Existenz oder Dasein und still mit unbewegt, also tot, verbindet. Oliver Mark wählte für sein aktuelles Projekt bewusst den ursprünglichen lateinischen Begriff, um den Gegensatz zwischen Natur = Leben und tot = gestorben zu betonen. Was man auf seinen Photographien entdeckt, lebte einst und wurde in der Regel oft von Menschenhand mitten im Leben stehend getötet. Zusätzlich wird durch den Begriff "Natura Morta" der Fokus stärker auf die Tiere und Pflanzen gelegt und der Mensch in den Hintergrund gesetzt, auch wenn er selbstverständlich Teil der Natur ist, aber eben nur ein kleiner Teil im Vergleich zur vielfältigen Natur.

Oliver Marks Stillleben-Photographien sind in der Asservatenkammer des bundesdeutschen Zolls in Bonn entstanden. Leopardenschädel, Elfenbeinschnitzereien, Produkte aus Krokodilen oder Schildkröten, geschützte Tier- und Pflanzenteile, Jagdtrophäen, Kleidungsstücke aus Schlangenleder, Musikinstrumente aus kostbaren tropischen Hölzern, Reisemitbringsel wie Seepferdchen, Korallen, Schnecken und Muscheln, die vom Zoll beschlagnahmt wurden, hat der Photograph altmeisterlich als Stillleben inszeniert. Oliver Mark präsentiert sie in historischen Gemälderahmen. In der Gemäldegalerie ergeben sich dadurch Korrespondenzen zwischen den Gattungen Malerei und Photographie, aber auch zwischen photographischen und gemalten Stillleben. Aus der eigenen Sammlung werden neun Werke von Malern wie Willem van Aelst, Philips Angel van Middelburg, Abraham van Beyeren, Jan van der Heyden, Maximilian Pfeiler, aus der Nachfolge von Peter Paul Rubens, Abraham Susenir und Jan Weenix zusammen mit den Photographien Oliver Marks gezeigt. So ergeben sich auch neue Perspektiven auf Meisterwerke der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts.

Den Besucher_innen bieten sich so vielfältige Assoziationsmöglichkeiten, im besten Fall ein neuer, anderer Blick auf die scheinbar "altbekannten" Gemälde der Sammlung oder aber der ästhetische Genuss der Photographien, der in das Nachdenken über den Umgang des Menschen mit der Schöpfung mündet.

Im Naturhistorischen Museum, in dem weitere Photographien in drei Gruppen neben die Tierpräparate gestellt werden, ist die Frage des Artenschutzes vorrangig. Der Handel von Tier- und Pflanzenarten unterliegt internationalen Bestimmungen, eine Einfuhr vieler Souvenirs ist gesetzeswidrig. Grundlage für das Aktivwerden der Behörden ist das Washingtoner Artenschutz-(CITES)Abkommen, das über 35 000 Tier- und Pflanzenarten, die vom internationalen Handel bedroht sind, schützt. In Österreich ist das Übereinkommen seit 1982 in Kraft.
Oliver Marks eindrückliche Photographien bieten Raum für Gedanken und Assoziationen über die verschiedensten Themen: Wie geht der Mensch mit seiner Umwelt um? Was fasziniert uns an der Gattung Stillleben? Was unterscheidet Malerei von Photographie?

Text: Julia M. Nauhaus, Direktorin der Gemäldegalerie und des Kupferstichkabinetts der Akademie der bildenden Künste Wien