• Die Vögel des Zufalls

    Björn Vedder

    Ein ver­bind­lich­er Aus­druck des Zufäl­li­gen prägt auch die Por­traits von Oliv­er Mark. Die Auf­nahme von Rain­er Maria Kar­din­al Woelki (2012) ist z.B. nach einem Shoot­ing für Die Zeit entstanden. Mark war die Spielothek, vor der er Woelki ablichtete, schon auf dem Weg zum Shoot­ing aufge­fallen. Er war­tete aber die geplanten Auf­nah­men ab, um ein­en entspan­nten Woelki dann erst auf dem Rück­weg zu sein­er Wohnung im Wed­ding anzuhal­ten und spon­tan zu knipsen. „Kar­din­al Woelki, dre­hen Sie sich mal um!“ Woelki lacht – und das Bild ist fer­tig. Wie bei Lay war auch hier die spon­tan wirkende Auf­nahme lange geplant und vorbereit­et. Marks Por­trait des Künst­lers Tobi­as Hant­mann (2020) hatte ein­en ähn­lich lan­gen Vor­lauf und kom­bin­iert eine Land­schafts­ser­ie von Mark mit sein­en Künst­ler­por­traits. Die Land­schafts­ser­ie heißt Die Zeit machen wir später aus und por­trait­iert Orte im Wan­del, z.B. Baus­tel­len wie hier des Axel Spring­er Neubaus in Ber­lin. Die ein­zelnen Bilder hal­ten ein­en Blick fest, den es so nur kur­ze Zeit gibt und der dann ver­schwin­det. So ein­en Blick zeigt auch das Por­trait von Hant­mann, den Mark auf ein­er Party kennen- gel­ernt und dann instru­iert hatte, was er tra­gen und wohin er kom­men soll­te. Auch die Beleuch­tung der Auf­nahme ist präzise geset­zt (Tages­licht von rechts, Gegen­blitz von links). Die Tasche hat Hant­mann aber selbst mit­ge­b­racht. Mark hatte sich nur irgendein Accessoire gewün­scht. Dieses zufäl­lige Requis­it ent­fal­tet jedoch eine große Wirkung, weil es die Hal­tung Hant­manns bestim­mt und ein­en starken farb­lichen Kon­trast im fast mono­chro­men Bild set­zt. Woel­kis Spielothek und Hant­manns Tasche zei­gen, wie auch in Marks Auf­nah­men die Anbrandun­gen des Zufalls das Bild bestimmen.

    Die Vögel des Zufalls ist eine Aus­s­tel­lung kur­atiert von Thomas Zitzwitz in der Galer­ie Norbert Arns in Köln, vom 18.11. – 10.12.2022.

    Wim Del­voye, FORT, Gregor Hildebrandt, Robert Kraiss, Alicja Kwade,
    Alwin Lay, Oliv­er Mark, Anna Vir­nich, Thomas Zitzwitz


  • Die Vögel des Zufalls


  • Franziska Goes, Berlin 2022

    The artist Franziska Goes holding a color fan in her hand.

  • Daniel Mohr / Oliver Mark „untitled“

    40,0 × 50,0 cm, Oil paint on photography, 2022

    from Col­lab­or­a­tions II

  • Oliver Mark Studio Berlin

    2010 — 2022

    Oliver Mark Studio.

  • O P E N Berlin, 2022

    Delivery Hero – Isa Melsheimer and Oliver Mark

    August 18 – Septem­ber 15, 2022

    Open Ber­lin
    Prin­zenallee 35
    DE-13359 Ber­lin 

    Blick­di­cht im Glasdickicht

    Gibt es etwas zu sehen und zu bewahren, schlägt die Stunde der Vit­rine. Der Glaskasten als Pan­ic Room der Museo­lo­gen, am lieb­sten Pan­zer­glas, UV-Schutz und Vak­uum. Kon­ser­vier­ung wie im Marme­ladenglas. Schutz vor Zer­fall ist unbedingt löb­lich, doch erfahren Objekte ihren musealen, respekt­ive gesell­schaft­lichen Wert meist durch Nutzungsspuren: abgew­ien­erte Ober­flächen, Schar­rten, Ver­fär­bun­gen, Verb­lichenes, Abgebrochenes. Der Zahn der Zeit nagte, und wir füh­len Ver­bund­en­heit mit der Ver­gan­gen­heit. Er erst macht Geschichte für uns wirk­lich lebendig.

    Zum ander­en der Blick des Betrachters. Er tastet die Ober­fläche prüfend ab, in der Vit­rine aber schaut er auch hindurch, sieht den Raum dah­inter, den Kon­text der Jet­ztzeit. Das Glas spiegelt die Umge­bung, den Betrachter, auch das Selbst, wenn wir hier kurz küchen­psy­cho­lo­gis­ier­en dür­fen. Die Vit­rine lädt zum visuel­len Dia­log. Ob der ein­spurig und mehr­spurig ver­läuft, hängt am Betrachter.

    Oliv­er Marks Foto­grafi­en und Isa Melsheimers Skulp­turen interessier­en dieser ständige Blick­wech­sel. Das Objekt der Begierde ist nicht in der Vit­rine, es ist die Vit­rine und ihre Über­ras­chun­gen offen­bar­en­de Blick­di­chte. Dichte nicht im Sinne von Sichts­chutz, son­dern von erhöhtem Schauwert, der Häu­fung der mög­lichen Blick­winkel. Sind es bei Mark uner­war­tete Bildausschnitte, die schein­bar willkür­liche Darstel­lung von Teilen der Vit­rine, auch ander­en Sicht­gren­zenset­zer, wie Flug­zeug­flü­gel, Ver­pack­un­gen, col­la­gierte Hände, ist es bei Melsheimer die Paar­ung Beton und Glas. Beton als Sichtver­hinder­er, Glas als Blick­er­mög­lich­er. Ihre Serie »Seeds« beis­piels­weise hin­ter­fragt die Funk­tion der Vit­rine auf eigene Weise: Glaskästen auf Beton­sock­eln, in den­en Samen ein luftdi­cht abges­chot­tetes Eigen­leben entwick­eln, ein­zig gespeist aus Sonnen­licht, Erde und durch Kondens­a­tion entstehende Flüssigkeit. Hier ist nichts kon­ser­viert, hier lebt etwas, aber unter dem Blick des Betrachters. Ich sehe, also lebst du. Die In-Vitro-Vit­rine des Kunstmarkts.

    Oliv­er Mark und Isa Melsheimer gehen dem Guck­kasten auf den Geist. Wer kom­mt und schaut, erlangt ihn viel­leicht, den blick­di­cht­en Durchblick im Glasdickicht.

    Till Schröder, Autor, Chefredak­teur der Mar­gin­ali­en – Zeits­chrift für Bib­li­o­philie und Buchkunst

  • THRESHOLD

    Tim Plamper & Oliver Mark – A °CLAIRbyKahn Exclusive at photo basel

    °CLAIRbyKahn is pleased to unveil Schwelle („Threshold“), a series of unique mul­ti­me­dia works by pho­to­graph­er Oliv­er Mark in col­lab­or­a­tion with visu­al artist Tim Plamper.

    After being invited by Mark to alter his pho­to­graphs, Plamper co-cre­ated this series using soil taken from the former Inner Ger­man Bor­der, reopen­ing wounds of the past in a ges­ture that expands our under­stand­ing of the geo­pol­it­ic­al dis­putes of today. 

    photo basel takes places from June 14–19, 2022 – you’ll find us at booth A9!

    Volk­shaus Basel
    Reb­gasse 12–14
    CH-4058 Basel


  • Collaborations I

    Oliv­er Mark invited 61 artists to work on his pho­tos. Any- thing could be done to them: cut­ting, scratch­ing, twist­ing, fram­ing, past­ing, mount­ing, embroid­er­ing and paint­ing bey­ond recog­ni­tion. The inter­ven­tions were as sur­pris­ing as they were innov­at­ive. The format was vari­able – so was the type of photo paper. Some­times the photo was glossy or matt, some­times on baryta paper, hahnemühle paper or can­vas, etc. It was up to the artists to decide. Two prints were made, with one work remain­ing with each artist.

    Concept and Organ­iz­a­tion: Oliv­er Mark
    Edit­or: Oliv­er Mark / Guardini Stif­tung
    Lay­out: Anja Stein­ig, studiof.de
    Text: Georg Maria Roers SJ
    Trans­la­tion: Chris­toph­er Winter
    Prin­ted by: Druckerei Heene­mann, Berlin


  • Guardini Stiftung, Berlin 2022

    Collaborations I – An Exhibition with 61 Artists

    Oliv­er Mark invited 61 artists to work on his pho­tos. Any­thing could be done to them: cut­ting, scratch­ing, twist­ing, fram­ing, past­ing, mount­ing, embroid­er­ing and paint­ing bey­ond recog­ni­tion. The inter­ven­tions were as sur­pris­ing as they were innov­at­ive. The format was vari­able – so was the type of photo paper. Some­times the photo was glossy or matt, some­times on baryta paper, hahnemühle paper or can­vas, etc. It was up to the artists to decide. Two prints were made, with one work remain­ing with each artist.  The exhib­i­tion was made pos­sible with the sup­port of the Arch­diocese of Ber­lin, Fath­er Georg Maria Roers SJ and the Asso­ci­ation Aus­s­tel­lung­shaus für christ­liche Kunst e. V.

    Artists: Saâdane AfifMat­thi­as Beck­mannOlivia Ber­ck­e­mey­erEva Ber­endesDaniel BiesoldNorbert BiskyAnina Brisolla – Laura BruceMaria Brun­nerJoanna Buchow­skaAndreas BunteBjörn Dah­lemGior­gio de ChiricoSven-Ole FrahmTine Furl­er – Fran­ziska GoesLen­nart GrauGregor HildebrandtPhilip GrözingerHar­ald Her­mannEllen Mar­tine HeuserBene­dikt Hipp – Chris­ti­an Hois­chen – Shaikh Rashid bin Khal­ifa Al Khal­ifaFlor­in Kom­patscherTimo Kloep­pelClem­ens KraussMichael Kun­zeWolfgang Lug­mairVia Lewan­dowskyBernhard Mar­tinIsa MelsheimerKlaus Moset­tigFrank NitscheAgustin Noguera – Ena Oppen­heimerLea Pagen­kem­perTim Plamper – Man­fred PecklSabine Rein­feldLisa Reit­mei­er – Bene­dikt Rich­ertGerd RohlingMichael Sail­stor­ferKarin Sander – Sophia Schama – Thomas Scheib­itzAline SchwibbeJohanna Sil­ber­mannHeidi SillYas­min Shar­abiSabine Spring­er – Philip Topo­lo­vacChris­toph­er WinterHansa WißkirchenCarsten WirthAngelika ZellerSarah Zel­matiRalf Zier­vo­gelThomas ZitzwitzFilip Zorzor


  • Kunstmuseum Wolfsburg, 2020–2021

    In aller Munde – Von Pieter Bruegel bis Cindy Sherman

    Mund, Lip­pen, Zunge und Zähne, Sprache, Schmerz und Schrei, Essen, Schlin­gen, Spei­en und Spuck­en, Lust und Leidenschaft: Die Mund­höhle ist eine buch­stäb­lich reiz­volle Körperzone. So haben sich nicht nur seit jeher Natur­wis­senschaft und Med­iz­in an der Erkundung der Mund­höhle abgearbeitet, son­dern auch die Kunst- und Kul­turgeschichte – von der Anti­ke bis zur Geg­en­wart. Diesen breit gefäch­er­ten motivgeschicht­lichen Pfad ver­fol­gt das Kun­st­mu­seum Wolfs­burg mit der Aus­s­tel­lung In aller Munde. Von Pieter Brue­gel bis Cindy Sher­man. Es ist die bis­lang umfassend­ste The­menaus­s­tel­lung zu oralen Motiven in der Kunst in Deutsch­land mit über 250 Expo­naten unter ander­em von  Albrecht Dürer, Pablo Picas­so, Max Klinger, Mar­ina Abramović, Andy War­hol und Louise Bourgeois.

    Die breit angelegte Aus­s­tel­lung wid­met sich Mon­ster­mäulern (Alfred Kubin) und Vam­pir­bis­sen (Edvard Munch), betrachtet den Mund als Höl­lenschlund und Tor zum Wel­tinnen­raum (Pieter Brue­gel). Die Dentalkul­tur wie­der­um wird vielfältig beleuchtet vom Zahn­brech­er bei Jan Steen über die Darstel­lung der Schutzhei­li­gen von Zahnärzten, Apol­lo­nia, bei Andy War­hol bis hin zu Zahnschmuck aus außereuropäis­chen Kul­turen. Mona Hat­oum dringt bis in die Speiser­öhre vor, während Künst­ler wie Man Ray oder Anselmo Fox ihren Atem in Glas‑, Seifen- oder Kaugum­miblasen einsch­ließen. Und schließ­lich ist die Ästhet­ik der Lip­pen, gesteigert im Kuss und der oralen Libido ein Sujet, mit dem sich Wolfgang Till­mans, Nat­alia LL, Picas­so, Mar­ilyn Minter und viele andere in der Schau beschäfti­gen. In aller Munde umfasst sowohl Malerei, Skulp­tur, Install­a­tion, Foto­grafie, Zeich­nung, Grafik und Videok­unst als auch ein­zel­ne Expo­nate aus eth­no­lo­gis­chen und naturwissen­schaft­lichen Sammlungen, Film und Wer­bung, Musik und Literatur.

    Die Schau In aller Munde wird kur­atiert von Dr. Uta Ruhkamp und entsteht in Zusammen­arbeit mit dem Kul­tur­wis­senschaftler Prof. Dr. Hart­mut Böhme und der Zahnärzt­in Beate Slominski.

    31.10.2020–05.04.2021 im Kun­st­mu­seum Wolfsburg

    Künstler*innen

    Künstler*innen: Hans von Aachen (Umkre­is), Mar­ina Abramović & Ulay, Vito Acconci, Nobuy­oshi Araki, Arman, Dir­ck Bar­en­d­sz, Len­ora de Bar­ros, Franz von Bayros, Dirk Bell, Johannes Bendzulla, Bernhard Johannes Blume, Louis-Léo­pold Boilly, Hieronymus Bosch (Nachfol­ger), Louise Bour­geois, Pieter Brue­gel d. Ä., Ant­on Büschel­ber­ger, Luca Cam­biaso, Javi­er Castro und Luis Gárciga, Jake & Dinos Chap­man, Francesco Clem­ente, Otto Coes­ter, Tony Cragg, Lucas Cranach d. Ä., Wal­ter Crane, Mar­tin Creed, John Cur­rin, Nat­alie Czech, Thomas Demand, François Desprez, Birgit Dieker, Mark Dion, Cheryl Doneg­an, Albrecht Dürer, Bogomir Eck­er, Ger­brand van den Eeck­hout, Antje Engel­mann, Fantich & Young, Har­un Farocki, Thomas Feuer­stein, Urs Fisc­her, Anselmo Fox, Mor­itz Frei, Lies­elotte Fried­laender, Gauri Gill, Fran­cisco de Goya y Lucientes, Vivi­an Gre­ven, Robert Haiss, Richard Hamilton, Johann Got­tlieb Hantz­sch, Mona Hat­oum, Eber­hard Havekost, He Xiangyu, Egbert van Heem­sker­ck d. J., Jeppe Hein, Gottfried Hel­n­wein, Gary Hill, Klara Hobza, Jenny Holzer, Ben­jamin Hou­li­han, Lisa Junghanß, Michael Kalmbach, Isa­bell Kamp, Chris­ti­an Kein­star, Johann Georg Kern (zuges­chr.), Walth­er Klemm, Max Klinger, Chris­toph Knecht, Her­linde Koel­bl, Kurt Kranz, Alfred Kubin, Math­äus Küsel, Raimund Kum­mer, Dav­id LaChapelle, Maria Lassnig, Lucas van Ley­den, Lee Loz­ano, Sarah Lucas, Anna Maria Maiolino, Jeanne Mam­men, Man Ray, Fabi­an Mar­cac­cio, Chris­ti­an Marclay, Teresa Mar­golles, Oliv­er Mark, Bernhard Mar­tin, Kris Mar­tin, Jonath­an Meese, Ulrich Meister, Isa Melsheimer, Ana Men­di­eta, Charles Mery­on, Franz Xaver Mess­er­schmidt, Mar­ilyn Minter, Edvard Munch, Bar­to­lomé Esteban Mur­illo (zuges­chr.), Nat­alia LL, Bruce Nau­man, Mar­cel Oden­bach, Adolf Oexle, Tony Oursler, Georg Pencz, Pablo Picas­so, Rona Pon­dick, François Rabelais, Lili Reynaud-Dewar, Pipi­lotti Rist, Michele Rocca, Ulrike Rosen­bach, Aura Rosen­berg, Miguel Roth­schild, Raphael Sadel­er d. Ä., Sam Sam­ore, Johann Gottfried Schad­ow, God­fried Schal­ck­en, Thomas Schütte, Lorentz Schultes, Elfie Semotan, Mithu Sen, Cindy Sher­man, Slavs and Tatars, Andreas Slo­m­in­ski, Kiki Smith, Daniel Spo­erri, Shaun Stamp, Peter Stauss, Jan Steen, Bar­bara Steppe, Sam Taylor-John­son, Dav­id Ten­iers d. J., Paul Thek, Wolfgang Till­mans, Joe Tilson, Ane Tonga, Rose­marie Trock­el, Wil­helm Trüb­n­er, Pio­tr Uklański, Maarten de Vos, Kemang Wa Lehulere, Franz Erhard Walth­er, Andy War­hol, Hans Wecht­lin, Peter Wei­bel, Hans Weiditz d. J., Tom Wessel­mann, Ant­onie Wierix, Peter Zizka u. a.


  • Kanya Kage Art Space, Berlin 2021

    MUSEO

    7 Octo­ber 2021 until 14 Novem­ber 2021

    Lehr­s­tunde

    Autoren kennen das, die Angst vor dem leer­en Blatt, das vor­wurf­s­volle Blinken des Curs­ors, der auf der Stelle wie festge­froren ver­har­rt. Maler kennen ihn auch, den Hor­ror vacui, die Pan­ik angesichts der Leere ein­er unber­ührten Lein­wand. Foto­grafen eher nicht, schliess­lich zeigt der Such­er stets ein Gegen­bild. Muss ja nicht schön sein, aber ist eben da – leer­er Akku oder ver­gessene Ver­schlusskappe mal außen vorgelassen. Sowas passiert einem ser­iösen Daguerreotyp­isten natür­lich nicht.

    Oliv­er Mark nun packt die Leere bei den Hörnern – und das mit­ten in den Tem­peln der Kun­stehr­furcht. An den Orten, in den­en gewöhn­lich die Block­buster der Kun­st­geschichte zur gefäl­li­gen Betrach­tung altar­is­iert an den Wänden hän­gen – Museen und Galer­i­en. Das Gemälde steht im Zen­trum der Flucht­linie, auf Augen­höhe der Betrachter, meist in orna­mentschwer­en Rah­men, als würde das Auge nicht schon genug Blick­führung erfahren. Das Bild wird dem Betrachter aufgezwun­gen. Flughafen­ar­chitek­turen ähnelnd endet der Weg des Besuch­ers unwei­ger­lich im Duty-free-Shop des Kun­stkan­ons, das Kunstwerk an sich füllt das Wahrnehmungsspek­trum. Man kann eigent­lich nicht vorbeischauen.

    Mark aber schaut vorbei, er pos­i­tioniert seine Kam­era auf Fuss­bod­en­höhe und knipst aus Froschper­spekt­ive, ein­zig sein Porte­mon­naies als Stat­iv nutzend. Die Ent­nahme oder Zugabe von Geld­stück­en bestim­mt den Nei­gung­swinkel des Objekt­ivs und dam­it das Blick­feld. Wenn das nicht eine mess­er­schar­fen Ana­lyse des Kun­st­markts ist, eine beißende Kritik an der Deu­tung­sho­heit des Geldes, dann fresse ich eine krit­ische Ges­amtaus­gabe von Bazon Brock. Oder, Mark ist ein­fach nur gestolp­ert – und fand sich unver­mit­telt wieder in der Nis­chen­welt des Mik­rover­sums wie der ato­mar schwindende Prot­ag­on­ist in Jack Arnolds Filmk­lassiker der 1950er Para­noia The Incred­ible Shrink­ing Man. Oder, Mark hat ein­fach nur Rück­en und macht das Beste aus sein­er Situ­ation, bevor er es zum Osteo­pa­th­en schafft. Aber ich sch­weife ab.

    Egal wie er zu seinem Blick gekom­men ist, die Per­spekt­ive sein­er Foto­grafi­en ver­ändert Wahrnehmung. Plötz­lich rück­en Details ins Rampen­licht: Steck­dosen, Schutzgit­ter, Luftbe­feuchter, Feuer­wehr­schläuche, Notaus­gangsschilder, Sch­euer­leisten, Abstand­hal­ter – und Leere. Die Unaufgereg­theit mono­chro­mat­isch getünchter Wände, ris­siger Kanten, dunk­ler Wände, die nur Aus­schnitte der präsen­tier­ten Bilder pre­is­geben, für die die Wand gemacht wurde. Statt im Motiv von de Chirico zu sin­nier­en, ver­liere ich mich im Capriblau der Wand­farbe, die das Foto domin­iert. In der Chil­lout-Zone des Pantone-Raves ein­fach mal nichts erkennen, die Grav­itas des Gemäldes ignor­i­er­en, nur Leere mit den Augen ertasten.

    Das hat nicht nur ein­en med­it­at­iven Effekt, es rekon­tex­tu­al­is­iert Kunst. In dem Moment, wo man sich der Stützräder der Präsent­a­tionsmodi gewahr wird – die Stell­wände, Absper­rungen, Bewe­gungs­meld­er, Sitzbänke – geht Ben­jamins Aura des Ori­gin­als flöten. Das Kunstwerk erscheint als Geb­rauchs­ge­gen­stand neben ander­en: hier Steck­dose, dort Renais­sance. Man erken­nt wieder, dass Kunst ähn­lich wie Papi­ergeld funk­tioniert: Ihre Arte­fakte wer­den mit Bedeu­tung aufge­laden, ihr Mater­i­al­wert ist oft genug ger­ing. Ihr Schatz liegt in der gemein­samen Ver­ein­bar­ung aller, dass genau diese Kunst Rel­ev­anz besitzt.

    Und im Blick­winkel. Wir sind eine optisch getriebene Spez­ies. Aus dem Auge aus dem Sinn gilt nicht nur für Klein­kinder. Wir kon­stru­ier­en Real­ität über den Sehnerv, viel mehr als über Füh­len oder Hören. Icon­ic Turn und so. Nim­mt man dem Icon­ic Turn nun die Motive, ist er dann noch exist­ent? Oder gilt Wazlawicks Ver­dikt, man könne nicht nicht kom­mun­iz­ier­en, auch in der Kunst? Man kann nicht nicht abbilden. Ist Malewitsches Schwar­zes Quad­ratnun Nat­ur­al­is­mus, Sym­bol­ismus, Abstrak­tion oder Vor­stud­ie für die Farb­fäch­er der Druc­kin­dus­trie? Die Magie des Voll­tons fasziniert. Die Abwesen­heit von Muster irrit­iert unser Gehirn, das stets nach Wie­der­erken­nbarkeit fahndet. Die Wand ans­tar­ren: Oliv­er Mark hat der Redewendung wieder neues Fut­ter gegeben – und mir den Wun­sch, beim näch­sten Museums­besuch ein­mal alles im Schneidersitz zu betrachten.

    Till Schröder, Chefredak­teur der Mar­gin­ali­en und Inhab­er des Gretan­ton Verlags

  • Der besondere Kick – Die Portraits von Oliver Mark

    Claudia Kursawe, PHOTONEWS Oktober 2021

    Photonews-Artikel: „Der besondere Kick – Die Portraits von Oliver Mark“.

  • Künstlerhaus Bethanien, Berlin 2021

    White and Clean

    Pop-Up Exhib­i­tion with Alicja Kwade, Antje Blu­men­stein, Armin Boehm, Björn Dah­lem, Erik Schmidt, Eva Gru­binger, Eva-Maria Wilde, Frank Nitsche, Gab­ri­el de la Mora, Gregor Hildebrandt, Hansa Wis­skirchen, Isa Melsheimer, Kristina Nagel, Lisa Junghans, Lud­wig Kreutzer, Olivia Ber­ck­e­mey­er, Hois­chen / Mark , Mar­cel Duch­amp, Man­fred Peckl, Mat­thi­as Hes­sel­bach­er, Marten Frerichs, Sophia Scharma, Stephanie Kloss , Susanne Goll­witzer, Svenja Kreh, Tat­jana Doll, Tine Furler.

    Künst­ler­haus Beth­anien, Ber­lin
    STUDIO 225  / BERCKEMEYER


  • In aller Munde

    Das Orale in Kunst und Kultur.

    Edit­or: Kun­st­mu­seum Wolfs­burg
    Pub­lish­er: Hatje Cantz, 2020.
    Ger­man. 352 pages, 350 images.
    Hard­cov­er, 24,00 × 31,00 cm.
    ISBN: 978–3‑7757–4799‑8

    Page 241: Vicco mit Vam­pir-Schnuller, Ber­lin 2009. C‑Print on Kodak Endura Metallic.


  • Krisen beziehen sich grundsätzlich immer auf die Abweichung von der Normalität

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