• Portrait des Fotografen als Portraitist

    Christoph Peters, No Show. Distanz Verlag, Berlin 2019, ISBN 978–3‑95476–281‑1.

    Sow­ieso ist alles eine Frage des Lichts. Es fällt von links auf breit­er Front in den großen Raum, der zugleich als Stu­dio und Büro, und Galer­ie dient. Genau­gen­om­men müsste ich sagen: Es würde fallen, denn der Foto­graf, der mir bar­fuß in weißem T‑Shirt und ver­waschen grauer Hose die Tür öffnet, hat vor den Fen­stern im Mit­telteil dichte, schwar­ze Vorhänge zugezo­gen. Nur vorne, im Bereich des Schreibt­ischs, gleich hinter dem Eingang, darf das Licht unge­hindert here­in­brechen, dann erst wieder am Ende des Raums, wo die Sonne jet­zt, am frühen Mor­gen, eine Gruppe von drei Eis­bären aus Porzel­lan je nach Blick­winkel iron­isch oder dram­at­isch in Szene set­zt. Sie stehen auf einem Sock­el vor der eben­falls schwarz ver­hängten Rück­wand und brül­len gemein­sam den Him­mel an. Der Foto­graf fragt, was er mir zu trinken anbi­eten darf? „Gern ein­en Espresso “, sage ich. Wenig später bringt er mir aus der Küche den Espresso in einem Mokkatässchen aus Meiss­ner Porzel­lan. Ich kenne das Dekor, es heißt Reich­er Hof­drache und wurde 1730 nach japan­is­chen und chin­es­is­chen Vor­bildern für die könig­liche Tafel August des Starken ent­wor­fen, bis 1918 war es aus­schließ­lich dem Hof vorbe­hal­ten. Offen­bar teilen wir die Liebe zum Porzel­lan – zu Fig­uren und Geschirr gleich­er­maßen. Ich kenne sonst niemanden, der sich dafür begeistern kann. Die Wand den Fen­stern gegenüber ist bis unter die Decke mit Bildern gefüllt – hauptsäch­lich zeit­genöss­is­che Maler, die jedoch geradezu ent­ge­genge­set­zten ästhet­ischen Pos­i­tion zu fol­gen schein­en: Gestische Abstrak­tion fin­d­et sich neben Fig­ur­at­ivem, poet­isch Sur­reales fol­gt auf col­lageartige Kom­posi­tion­en. Dazwis­chen Foto­grafi­en, ein Barock­por­trait, sow­ie eine alte Madonnen­fig­ur aus far­big gefasstem Holz. Auf dem Bord dar­unter Klein­plastiken und ein sauber prä­par­iert­er Pfer­deschädel. Fast der ges­amte Boden im hinter­en Teil wird von einem anti­ken Her­iz Tep­pich in war­men Rot‑, Beige und Blautön­en bedeckt, so dass ich mich endgültig wie zu Hause fühle. Er endet vor einem breit­en Leder­sofa, das zugleich als Andeu­tung eines Raumteilers dient. Hier und da ein anti­ker Stuhl oder Tisch, jedes Stück einem ebenso eigen­wil­li­gen wie undog­mat­ischen Geschmack ents­prechend ausgewählt.„Lass uns kein Geb­rauch­s­por­trait machen, son­dern etwas anderes ver­suchen“, hatte ich dem Foto­grafen am Tele­fon gesagt. „Ist mir recht“, hatte er geant­wor­tet. Ich bin in einem graugrün­en Cord­anzug gekom­men und habe ein­en Rollkof­fer voller Kleider mit­ge­b­racht: den Fez, den mir mein türkischer Sufi-Sheikh vor zehn Jahren aufge­set­zt hat, dazu weite osman­is­che Hosen und das passende Hemd; Kur­ta Shal­war – die tra­di­tion­elle pakistan­is­che Kleidung –, mit buntem Schal und Turban; dann den Kimono, den ich bei der japan­is­chen Teezere­monie trage. Außer­dem habe ich ein­en pakistan­is­chen Geb­et­step­pich, mein­en Tes­bih und den japan­is­chen Fäch­er dabei. Der Foto­graf reagiert nicht im Ger­ing­sten ver­wun­dert oder gar befrem­det, als ich ihm zeige, was sich im Kof­fer befin­d­et, im Gegen­teil: Er scheint es völ­lig nor­mal zu find­en, dass jemand derlei Dinge für eine Por­trait anschleppt, das keineswegs der Ankündi­gung eines Masken­balls oder ein­er Faschings­sitzung dient, während ich mir in diesem Moment die Frage stelle, ob es Kostümier­ungen, Iden­titäten oder doch Ver­such­san­ord­nun­gen sind? 

    Ich den­ke: Viel­leicht macht er deshalb so gute Por­traits, weil er sein Gegenüber nicht wer­tet, son­dern ein­fach nur hinsch­aut, ruhig und aufmerksam, mit der mel­an­chol­ischen Dis­tanz dessen, der schon viel gese­hen hat.

    Der Foto­graf sagt: „Ich nehme lieber Tages­licht – ohne Blitz“. Das hin­wie­der­um erstaunt mich, ich hatte eher mit ein­er com­putergesteuer­ten Anlage aus hinterein­andergeschal­teten Blitzen und Reflekt­orschir­men gerech­net, mit der jede Som­mer­sprosse auf mein­er Nase poren­tief aus­geleuchtet worden wäre. Die Ruhe, mit der er den Grauver­lauf auf einem großen Papi­er­bo­gen für den Hin­ter­grund aus­richtet, die Vorhänge ein Stückchen weit­er zuzieht, dam­it das Licht den richti­gen Weg nim­mt, die Pos­i­tion der beiden Hock­er festlegt – ein­en für mich und ein­en für sich –, das Stat­iv samt Kam­era pos­i­tioniert, über­trägt sich auf mich. „Ich würde gern ein­fach mal den Fez mit dem Anzug probier­en“, sage ich. „Es gibt ein Por­trait des russ­isch-jüdis­chen Schrift­s­tellers Essad Bey, der mit siebzehn zum Islam kon­ver­tiert ist, aus den 20er Jahren, da sitzt er genau so gekleidet im Café Kran­z­ler, und es sieht irgend­wie schräg aus.“ Der Foto­grafen nickt: „Finde ich gut“, sagt er. Der Grün­ton meines Anzug bil­det mit dem dunklen Rot des Fez, dem hell­blauen Hemd und der gestreiften Krawatte, ein­en schön­en Klang. Den­noch, oder viel­leicht gerade deshalb, will er hauptsäch­lich Schwar­z­weißb­ilder machen.Draußen schieben sich Wolken vor die Sonne, mit einem Mal ist es ein­ige Stufen dunk­ler im Raum, das Licht nicht mehr scharf son­dern gestreut. Während ich erzähle, wie ich an die unter­schied­lichen Kleidungsstücke gekom­men bin, was sie für mich bedeu­ten, bei welchen Gele­gen­heiten ich sie ben­utze, ist der Foto­graf dam­it beschäftigt, das Licht an dem Platz, auf dem ich sitzen soll, den ver­änder­ten Gegeben­heiten am Him­mel anzu­passen. Jede Ver­än­der­ung der Vorhang­pos­i­tion hat Aus­wirkun­gen auf den Hin­ter­grund, auf die Schat­ten und Lini­en in meinem Gesicht. Ich lehne mich etwas vor, rücke ein Stück nach links. Alles, was er tut, wirkt selt­sam beiläufig, hat nichts von der über­span­nten Erre­gung Hek­tik, die man in einem Fotostu­dio erwar­tet.  Noch immer­scheint es, als wäre das, worüber wir reden, das Eigent­liche, und die Bilder, die gemacht wer­den sol­len, stell­ten eher ein Neben­produkt dar. Mein Blick bleibt an einem Louis XVI Ses­sel mit oran­gero­tem Samt hän­gen, der in der hinter­en Ecke steht, und den ich vor laut­er Kunst über­se­hen hatte. Mir fällt das Foto von Essad Bey im Café Kran­z­ler wieder ein: „Lass uns doch den neh­men, das wäre viel­leicht lust­ig“, sage ich und deute auf den Ses­sel. Ich sehe im Gesicht, den Augen des Foto­grafen, wie er die Vor­stel­lung von mir mit dem Fez im Anzug auf dem Ses­sel mit der Idee des Bildes in seinem Kopf ver­gleicht, sehe, wie sich Skep­sis und Ein­ver­ständ­nis abwech­seln. Schließ­lich wil­ligt er ein, und wir tauschen mein­en Hock­er gegen den Ses­sel aus. Ich sitze jet­zt etwas niedrig­er als zuvor, so dass er Vorhang, Hin­ter­grund und Stat­iv neu justier­en muss. „Warte mal ein­en Moment“, sagt er und ver­schwin­det in die Küche. Ich höre das Mahl­werk der Espressomaschine, dann das Brummen, während der Kaf­fee durch­fließt. Mit einem ander­en, offen­kun­dig eben­falls kost­bar­en Mokkatässchen in der Hand kehrt er zurück. Es hat eine hohe Bie­der­mei­er­form, weiß mit sen­krecht­en Gold­streifen und drei klein­en Löwen­füßen. „Du musst den Kaf­fee nicht trinken, aber viel­leicht kannst du die Tasse vor der Brust hal­ten“, sagt er.  In diesem Moment bin ich ganz sich­er, dass Essad Bey auf dem Foto auch eine Mokka­tasse in der Hand hält – wenn nicht das gleiche Mod­ell, dann zumind­est ein sehr ähnliches.„Wo kom­mt das her – welche Man­u­fak­tur?“ frage ich. „KPM“, sagt der Pho­to­graph. „Das passt doch per­fekt“, sage ich.„Kannst du die Tasse noch ein bis­schen nach vorn nei­gen, dass man den Kaf­fee auch sieht? Und den Kopf ein klein wenig nach rechts.“ Sein Blick auf mich, mein Blick in die Kam­era, an der Kam­era vorbei, auf ihn, während der Ver­schluss klickt – wieder und wieder und wieder.Christoph Peters, No Show. Dis­tanz Ver­lag, Ber­lin 2019.


  • Oliver Mark – Social Stills

    Carolin Hilker-Möll, No Show. Distanz Verlag, Berlin 2019, ISBN 978–3‑95476–281‑1.

    Wer sind wir und wenn ja, wie viele? Was möcht­en wir sein, was macht uns aus, wie wollen wir gese­hen wer­den? Oliv­er Mark ist ein Meister der Menschen-Foto­grafie. Seine Porträts erzäh­len Geschicht­en von Ver­frem­dung, Über­la­ger­ung, Zer­split­ter­ung, Auf­spal­tung, Dop­pe­lung, Ver­schnürung, Ver­pack­ung, Schau-Spiel – und geben dabei oft mehr pre­is als gewollt, sowohl über den Porträtier­ten als auch den Foto­grafen. Die sorgfältig inszen­ier­ten Momen­tauf­nah­men weis­en als „social stills“ über sich hinaus: Sie ana­lysier­en den Menschen, sie verorten seine Rolle in der Gesell­schaft, es sind Spiegel­b­ilder. Oliv­er Mark ist ein Menschen-Sammler: Künst­ler, Maler, Bild­hauer, Schaus­piel­er, Musiker, Philo­sophen, Politiker, Theat­er- und Film­re­gis­seure, Schrift­s­teller, Modedesign­er, Fam­i­li­enauf­s­tel­lungen… Immer fin­d­et er den beson­der­en Moment, man spürt die Ver­bindung von Foto­graf und Gegenüber. Konzentrierte Nähe wech­selt sich ab mit fast bedeu­tung­süber­laden­en Inszen­ier­ungen und gewollt beiläufi­gen Bildern. Oliv­er Mark ist ein Rah­men-Künst­ler. Durch sein ges­amtes foto­grafisches Werk zieht sich der Bilder­rah­men als Motiv, als Stilmit­tel, als Span­nungs­ge­ber, als Begren­zung und Botschaft. Sei es das kun­stvolle Still­leben der leer­en Rah­men, die mit ihren schwar­zen Flächen auf das titel­gebende „Nicht-Erschein­en“ ver­weis­en oder das Arrange­ment sein­er Arbeiten in üppig ver­gol­de­ten Barock- oder anti­ken Ovalrah­men: Die dadurch erzeugte assozi­at­ive Nähe zur Alt­meister­malerei – ver­stärkt durch das immer wieder­kehrende Motiv der Hände oder durch Van­itas-Zit­ate im Bild – ver­fehlt ihre nobil­it­i­er­ende Wirkung nicht, gerade auch wenn sie wieder iron­isch gebrochen wird. Oliv­er Mark ist ein Charak­ter-Such­er. Da, wo er fündig wird, wo er am meisten bei sich ist, am stärk­sten, am dich­t­esten, da wird ein Gesicht zum Ant­l­itz, in dem sich unsere Zeit spiegelt. Mit Wucht trifft den Betrachter die Intim­ität des Moments und man ist froh, diesen Moment teilen zu dür­fen. So bei Louise Bour­geois, die Oliv­er Mark 1996 als 85-jährige in New York foto­grafiert: Ihr Gesicht ist eine Landkarte ihres Lebens, jeder Kampf hat seine Spuren hin­ter­lassen. Die Augen fast geschlossen, der Fok­us liegt auf den Händen der großen Künst­ler­in, Aus­druck ein­er Epoche. Wir sehen ein­en „Menschen des 20. Jahrhunderts“.


  • der mensch ≠ animal rationale

    Georg Maria Roers SJ, No Show. Distanz Verlag, Berlin 2019, ISBN 978–3‑95476–281‑1.

    Oliv­er Mark hat zwei Gründe genan­nt, war­um er als Foto­graf arbeitet: „Entweder fuer Bilder oder fuer ein Hon­or­ar.“ Mir scheint, hier fehlen ein­ige wesent­liche Dinge. Dazu gibt er eben­falls beden­kenswerte Hin­weise. Auf der ein­en Seite bringt es sein Beruf mit sich, Cate Blanchett in einem Moment abzu­licht­en, wo sie schein­bar völ­lig entspan­nt in einem eng­lischen Club­ses­sel mehr liegt als sitzt. Ein­fach wie hingegossen.Die Eleg­anz des Raumes hat gegen die Aura dieser Schaus­piel­er­in nicht den Hauch ein­er Chance und verblasst. Auf der ander­en Seite weiß nur der Foto­graf: er hatte nur ein­en Ver­such­bez­iehung­s­weise drei Minuten, um das Bild zu machen. Dabei ist er immer auf der Suche nach ein­er per­fek­ten Form, einem in sich ruhenden Aus­druck. Über­lässt Mark alles dem Zufall? Er sagt, dass sei eher sel­ten. „Aber wenn der Zufall dann da ist, kann es ein Feuer­werk sein.“ Das Gegen­teil dav­on ist die Art und Weise wie etwa die Maler des Golden Zeit­al­ters in den Nieder­landen zu Werke gin­gen. Zum Beis­piel bei einem Jan Ver­meer. „Er drapierte ein­en Tischläufer auf den Tisch, erset­zte ihn durch das blaue Tuch. Er legte die Per­len in ein­er Reihe obenauf, arran­gierte sie zu einem Häufchen, dann wieder zu ein­er Reihe. Er bat die Frau aufzustehen, sich hin­zu­set­zen, sich anzulehnen,  sich vorzubeu­gen.“ Tracy Che­va­lier lässt die junge Magd Griet in ihr­em Buch Das Mäd­chen mit dem Per­len­ohr­ring (1999) in das Aller­hei­lig­ste des Künst­lers eindrin­gen. Sie beo­bachtet im Atelier, wie der Maler sorgfältig Szene für Szene arran­giert. Und ein­mal wagt sie das Unge­heuer­liche. Sie bringt – nicht nur aus ästhet­ischen Gründen – etwas Unord­nung in das Arrange­ment ihres strengen Meisters. Ihr heim­lich­er Blick in die Cam­era obscura lässt den Leser über­ras­cht zurück. Klingt, was die Schrift­s­teller­in hier bes­chreibt, wirk­lich so anders als die Schil­der­ung der Vorbereit­ung eines „shoot­ings“ von Oliv­er Mark? „In der Regel habe ich die Auf­nahme vor dem Shoot­ing mit meinem Assist­en­ten ein­mal kom­plett foto­grafiert. Da wird alles aus­probiert: Wie jemand stehen kön­nte, sitzen kön­nte, Schul­ter vor, wieder zurück, Kopf nach rechts, links, stopp, zu viel … Ich mache ein­en Licht­test, probiere her­um. Diese Vorbereit­ung kann bis zu zwei Stun­den dauern. Klingt nüchtern. Ist aber essen­zi­ell! Ohne Konzept wird es schwi­erig. Um zu impro­vis­ier­en, um noch bess­er zu sein, brauche ich etwas, das ich ver­wer­fen kann.“ 

    Ein Foto­graf muss schnell und genau sein. Er soll­te flex­i­bel sein und den Mut dazu haben Fehler zu machen. Bei aller Genauigkeit geht es um die Fähigkeit, im richti­gen Moment ein­en wirk­lich ori­ginel­len Ein­fall zu nutzen, der auch mal alles über den Haufen schmeißt. Das kann her­risch wirken oder göt­t­lich. Der Mensch sei ein „anim­al rationale“ hat schon Mar­tin Luth­er in sein­er Gen­es­is­vor­le­sung for­mu­liert. Manch­mal reißt selbst der Geduldsfaden Gottes, falls es so etwas gibt. Am Ende der Sint­flut aber woll­te Gott die Erde nicht mehr ver­fluchen, obwohl das „Dicht­en und Tracht­en des mensch­lichen Herzens böse ist von Jugend auf“ (1. Mose 8, 21a). Erst danach segnet Gott Noah und seine Söhne, auf dass sie frucht­bar sei­en und – viel­leicht soll­te man das noch hin­zufü­gen – furcht­bar: „Furcht und Schreck­en vor euch sei über allen Tier­en auf Erden und über allen Vögeln unter dem Him­mel, über allem, was auf dem Erd­boden wim­melt, und über allen Fisc­hen im Meer, in eure Hände sei­en sie gegeben“ (1. Mose 9, 2).

    Der Mensch unter­wirft sich die Welt, in der er lebt. Zuwei­len redet er sie sich ohne jeg­liche Empath­ie schön. Leider! Es gilt als mensch­lich, wenn auch im bib­lis­chen Sinne ver­wer­f­lich. Wie ver­halte ich mich von Berufs wegen oder privat? Die Abgründigkeit unser­er Spez­ies bleibt unbe­greif­lich. Die Skala reicht von unge­heurer Bru­tal­ität bis zu hinge­bungs­voller Zärt­lich­keit. Zuwei­len legen Menschen per­sön­liche Bek­en­nt­n­isse ab, die nicht zwin­gend reli­giös sein müssen. Manch­mal sind sie es aber aus­drück­lich wie bei dem Kath­o­liken Har­ald Schmidt auf der Orgelem­pore des Köl­ner Doms, der unter ander­em aus­ge­bil­de­ter Kirchen­musiker ist, oder dem Innen­min­is­ter außer Dienst Thomas de Maiz­ière, der als Prot­est­ant Jesuitenschüler war. Je mehr Gegensätze Oliv­er Mark ins Bild set­zen kann, um so bess­er. Die erhöhte Span­nung wird in der Bild­find­ung sicht­bar. Die Sujets wech­seln und über­schneiden sich zuwei­len auf ern­ste, oft auf komis­che Weise. Welche Hei­lige Messe im barock­en Rah­men hält eigent­lich Andreas Golder? Ist er Maler, Hoher­priester der Kunst oder beides? 

    Es ist die Aufgabe eines Porträt­fo­to­grafen, so viel wie mög­lich von den Untiefen eines Menschen sicht­bar zu machen, ohne seine Aura zu beschädi­gen – immer wis­send, dass er ledig­lich jemand ist, der im richti­gen Moment den richti­gen Ton fin­d­et, dam­it sich das jew­ei­lige „Mod­el“ wohl füh­len kann. Die richtige Ans­prache zu find­en ist also nicht nur für den Train­er ein­er Fußball­mannschaft wichtig. Die Schat­ten vorteil­haft ins Licht zu set­zen bleibt ans­pruchs­voll. Ob das bei Isa Melsheimer ein­fach­er ist, weil sie dem Foto­grafen auch privat sehr nahe steht? 

    Welche schöne Frau würde freiwil­lig auf einem klein­en Pod­est aus Teer­pappe in wel­chem Ber­liner Bezirk auch immer vor bewölk­tem Him­mel im schwar­zen Som­merkleid mit golden­en High Heels stehen, um Super­girl zu lesen? Auf Melsheimer fol­gt Max­imili­an Jaen­isch, hier ohne Augen­licht und mit dop­pel­ter Stirn, dann eine Madonna, so der Titel. Und ikono­graph­isch gese­hen ist es wohl tat­säch­lich die Gottes­mut­ter mit Kind. Allerd­ings ist der Hei­li­genschein hier so vort­reff­lich aus­ge­prägt, dass selbst das Baby aus dem Staunen nicht mehr herauskom­mt. Es scheint ein Goldre­gen niederzuge­hen auf das Jesus­kind. Es ist kun­stvoll eingewick­elt in schwar­zen Stoff. Sei es die Madonna und ihr Sohn oder Nor­mal­s­ter­b­liche, ein weit­er­er Grund war­um Oliv­er Mark foto­grafiert, ist: er interessiert sich ein­fach für Menschen.

    Er ist maßlos neu­gierig. Und er agiert ohne Anse­hen der Per­son. Er ist aufgeregt wie ein Jag­dhund, der auf Beutezug geht. Er bew­er­tet nichts, son­dern er wer­tet die Per­son auf, die er ablichtet. „no show“ wirft ein­en ander­en Blick auf Schaus­piel­er und Künst­ler­innen, auf Politiker, Musiker, auf jeden, der oder die Oliv­er Mark vor die Kam­era bekom­mt. Dieser Vor­gang hat etwas Egal­itäres. Prom­in­ente kom­men nicht in Paparazzi-Mani­er zu Fall wie der fried­lich sch­lafende Will Smith etwa und ein weni­ger bekan­nter Künst­ler wird nicht gleich durch ein ein­ziges Foto ber­üh­mt. Wir erfahren oft wenig. War­um hat der Ber­liner Künst­ler Saâdane Afif ein oder sein Zim­mer vollgequalmt? Hat eine Nebel­maschine nachge­holfen? Wir sehen ein­en nachden­k­lichen Menschen, der auf einem Schaf­s­fell sitzt. Oder sehen wir ein­en Mann in ein­er Land­schaft im Mor­gen­nebel im Hoch­moor? Was sagt das Bild über den fran­zös­is­chen Objekt- und Install­a­tion­skünst­ler aus? Oliv­er Mark löst die Rät­sel, die uns seine Bilder aufgeben, nicht auf. Er lässt die Dinge bewusst offen, um der Betrach­ter­in oder dem Betrachter Raum für eigene Assozi­ation­en zu lassen. Wer die Bilder entschlüs­seln mag, kann es ver­suchen. Ob es voll­ständig gelingt? Die Gedanken mögen da ein­set­zen, wo wir uns die Frage stel­len, wie das jew­ei­lige Bild entstanden ist? Oder? Was ist die Geschichte hinter der Geschichte jedes ein­zelnen Bildes? Mark sch­eut sich in diesem Buch nicht, dem Porträt des angesagten Philo­sophen und Kul­turkritikers Sla­voj Žižek ein­ige schwar­ze Kre­ise hin­zuzufü­gen und mit vielen klein­en Punk­ten den Him­mel zu bedeck­en. Deswe­gen gilt er nicht gleich als ein fran­zös­is­cher Poin­til­list. Aber er spren­gt deut­lich das Nor­mal­maß dessen, was gemein­hin von einem Foto­grafen ver­langt wird. Der Kom­pon­ist Dirk von Lowtzow, Sänger und Gitar­rist bei der deutschen Rock­band Toco­tron­ic, wusste ver­mut­lich nicht, dass am Ende von ihm nur ein Kon­takt­abzug der Firma Kodak übrig bleiben würde, die sel­ber mit­tler­weile bereits Geschichte ist. Mark reiht den Musiker geschickt ein in die Reihe ein­er ander­en Geschichte, näm­lich die der Rockmusiker.

    Dass das Ver­gan­gene immer neu erzählt wer­den muss, darüber hat schon Oscar Wilde in seinem Text Der Künst­ler nachgedacht: „Eines Abends trat in seine Seele das Ver­lan­gen, ein Bild­nis zu machen: »Die Lust des Augen­blicks«. Und er ging in die Welt, nach Bronze zu suchen. Denn er kon­nte nur in Bronze den­ken.“ Der Bild­hauer macht sich auf die Suche. Aber es war keine Bronze zu find­en außer das Porträt auf dem Grab eines Fre­undes. Es soll­te ein Sym­bol nie endender Menschen­liebe sein und ein­er Menschensorge dien­en, die eben­falls nie endet. Der kur­ze Text schließt so: „Und er nahm das Bild­nis, das er gemacht hatte, set­zte es in ein­en großen Tiegel und gab es dem Feuer.“ Jet­zt kann etwas Neues entstehen. Mark den­kt nicht in Bronze, son­dern ist äußerst wendig. Im Übri­gen gehören Bronzen mehr oder weni­ger der Ver­gan­gen­heit an. Selbst Kan­z­ler­innen oder Bunde­spräsid­en­ten sind auf Lein­wand umgestie­gen und lassen sich am Ende ihr­er Tätigkeit malen. Zu Beginn ihr­er Amt­szeit wird immer ein off­iz­i­elles Foto ange­fer­tigt. Im Fall des Staat­sober­hauptes landet es dann in allen Amtss­tuben der Repub­lik und in den aus­ländis­chen Botschaften. Diese Bilder sind meistens lang­wei­lig, weil sie bestim­mte Vor­gaben erfül­len müssen. Deshalb hat es Marks Bild von Bunde­spräsid­ent Joachim Gauck im Rosen­garten in kein off­iz­i­elles Gefilde geschafft. Das gilt auch für das Dop­pel­porträt des Schaus­piel­ers Lars Eidinger. Es ist sehr viel aufre­gender als off­iz­i­elle Theat­er­fo­tos. Wird hier nur der Schat­ten sein­er Per­son gezeigt? Links der Mensch, rechts die Maske, die Rolle, das Amt, kurz: die per­sona. Hier kom­mt die anti­ke Vor­stel­lung dieses Wor­tes zum Aus­druck. Alle Menschen haben ein­en bestim­mten Charak­ter, der nicht immer mit dem Amt, das er oder sie innehat, gleichzu­set­zen ist. Jür­gen Beck­er dichtete ein­mal: „Nachmit­tags hat mir zerkratzt / ein alter Ast die Stirn die Augen­haut / Es hat seit den Frösten nicht so geblitzt / bis in das Ver­las­sen­sein den ziehenden Abend.“ Schauen wir auf eines der Selb­st­por­traits von Oliv­er Mark, wo er sich mit der Künst­ler­in Birgit Dieker abbil­det. Der Foto­graf bleibt unter der zerkratzen Maske ver­bor­gen. Ein ungewöhn­liches Bild, das uns zeigt, der Foto­graf ist so oder so anwesend, auch wenn wir ihn nicht sehen. Wir kön­nten auch sagen, Gott ist so oder so anwesend, auch wenn wir ihn nicht sehen. Beide sind Schöp­fer schön­er Dinge. Beide schaf­fen den Menschen immer wieder neu, zei­gen ihn von sein­er besten Seite. Hier kom­mt ein Konkur­ren­zver­hält­nis zum Vorschein zwis­chen Gott und dem Künst­ler, das sich bis heute forts­chreibt. Wie tra­gisch die Geschichte ver­laufen kann, wenn ein bedeu­tender Künst­ler in einem Porträt die tat­säch­liche Schön­heit eines Menschen abbil­det, ist in Oscar Wildes ein­zi­gem Roman nachzulesen: Das Bild­nis des Dori­an Gray.

    Manch­mal mutet der Reigen dieser Porträts an wie der Film Die fabel­hafte Welt der Amélie (2001).Es begegnen uns bekan­nte und unbekan­nte Gestal­ten, die mit Mit­teln der Ironie (die Stiefel von Oliv­er Mark), der Ver­frem­dung (die Päp­stin), der Über­höhung (Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jac­ob Phil­ipp Franz Joseph Sylvester Buhl-Freiherr von und zu Gut­ten­berg), des Under­state­ments (Mia Far­row), der Übermalung (Mar­cel von Eden und Mat­thi­as Brandt), des Zit­ats (Otto von Habs­burg auf dem flie­genden Tep­pich) ins Bild geset­zt wer­den. Im Film trifft Amélie immer wieder auf Nino Quin­cam­poix, ein­en Sammler von wegge­wor­fen­en Bildern aus Fotoauto­maten. Als Amélie das Album fin­d­et, das er ver­loren hat, erken­nt sie in ihm ein­en Seelen­ver­wandten und ver­liebt sich in ihn. Möchte man sich in den ein­en oder die andere der Porträtier­ten ver­lieben? Etwa in Max Raabe oder Mar­ilyn Man­son, die auf einem Bild erschein­en, obwohl der Stil ihr­er Musik Wel­ten aus­ein­an­der­liegt? Oder sol­len wir die Musiker­in Rita Ora anbeten, der­en Abbild Mark zer­schneidet wie Lucio Fontana einst seine Schnittb­ilder? In welche Welt will uns der Foto­graf ent­führen? Er dringt ein in Hotels, Ateliers, auf Bühnen, in König­spaläste und polit­ische Areale, sog­ar in das Haus eines russ­is­chen Olig­archen, alle so gut gesich­ert wie die neue Zen­t­rale des deutschen Geheim­di­en­stes auf der Chausseestraße in Ber­lin. Was das Büro klei­hues + klei­hues ent­wor­fen hat, wird im Netz so darge­boten, dass sich­er niemand daraus sch­lau wird. Alles sieht irgend­wie immer gleich aus. Oliv­er Mark macht in sein­er Kunst das Gegen­teil. Bei ihm ist alles auf erfrischende Weise immer wieder neu. War­um? Weil wir Menschen eben noch viel geheim­nisvoller sind als jeder BND und jeder andere Geheim­di­enst. Das gilt ins­beson­dere für Menschen, die Kraft ihres Amtes unend­lich oft foto­grafiert wer­den. Man glaubt, man kenne sie, so das Credo der Regen­bo­gen­presse. Mark über­ras­cht uns gerne auch sub­lim, ins­beson­dere in der Folge sein­er Bilder. Frau Merkels Raute geht seinem Kreuzes-Entwurf voraus, aus dessen Mitte die Hände sich öffn­en. Dem Porträt des Künst­lers Jonath­an Meese mit Napo­leon­hut fol­gen die Hände von Papst Bene­dikt XVI. Sein Gesicht wird erst gar nicht gezeigt, weil es ohne Zweifel schon zu oft ver­öf­fent­licht wurde. Wir erkennen ihn an seinem Fisc­her­ring an der recht­en Hand, der bis heute nicht zer­stört wurde, was sonst die Regel wäre. Die Rechte erscheint erdenschwer und weist auf der Höhe der weißen Schärpe nach unten, während die Linke frei schwebend Erklärungen abgibt. Das soll­te jeder Papst können, selbst wenn die Botschaft nicht immer leichte Kost ist. Darauf weist die Linke auch hin, denn Dau­men und Zeigefinger schein­en das Pek­t­or­ale, das Brustkreuz, fast zu ber­ühren. Im näch­sten Bild gre­ift Oliv­er Mark eine Kom­pos­i­tion von Helmut New­ton auf und erweit­ert sie. Mark hat ein Gemälde von Ernie Luley Super­star aus sein­er Sammlung einge­fügt: die Päp­stin. Wir sehen eine Frau von hin­ten, die ein weißes Pille­olum trägt. Das Mod­el bleibt anonym und trägt ein­en teuren Nerz und High Heels. Es fol­gt ein Bruch. Wir sehen, wie Mas­kierte eine alte Fab­rik ober­halb vom Pren­zlauer Berg beset­zen. Im Atelier sind keine Arbeit­er mehr zu sehen, son­dern Künst­ler. Ist die Beuyssche Rech­nung Kunst = Kapit­al aufgegan­gen? Peter Wei­bel hat längst nachgew­iesen, dass sowohl die Beuyssche The­or­ie als auch die des neokon­ser­vat­iven Ökono­men Gary­Beck­er, in seinem Buch Human Capital(1964), mit der The­or­ie vom mensch­lichen Kapit­al fehl ging. Danach sei jedes Indi­vidu­um sein eigen­er Produzent. Nach Wei­bel wurde der Mensch in beiden Fäl­len zum Kapital.[1] Wenn auch das Kapit­al mehr und mehr die wichtig­sten Koordin­aten unseres polit­ischen Sys­tem zu sein schein­en, so bleiben Künst­ler­innen und Künst­ler und der­en Kunst immer auch der not­wendige Sand im Getriebe. So jeden­falls ver­stehe ich die Bilder von Mark. Eco´s Bett mit Kreuz­worträt­sel, Buch und Arbeit­stasche macht die Lit­er­at­ur stark und ruft uns Das offene Kunstwerk (1962) oder seine Ein­führung in die Semi­otik (1968) und seine Romane in Erin­ner­ung. Eco sel­ber taucht nicht auf. Das Kunstwerk über­lebt sein­en Schöpfer. 

    Bei den Dosen und Bech­ern, die die Zuschauer auf den Absper­rgit­tern abgelegt haben, ist es anders. Sie über­leben nicht. Sie wer­den bald abger­äumt. Noch bilden sie ein­en schön­en Kon­trast zum eleg­anten Schriftzug am Hause des Juwe­l­iers Carti­er in Par­is. Und sie geben der Lux­us­marke ein­en Touch von Under­ground. Auf den ersten Blick kön­nte hier eine Party stat­tge­fun­den haben. Der rote Tep­pich wurde schon ein­ger­ollt. Die ein­zelnen Gäste mussten gar nicht mit aufs Bild. Die Dekadenz des Abends scheint so oder so in der Luft zu lie­gen. Dam­it spielt der Foto­graf. Aber – der Empfang hat gar nicht stat­tge­fun­den. Es sind die Über­reste der Zaungäste der Tour de France 2007. Selbst wenn Oliv­er Mark uns nur banale Gegen­stände zeigt, stellt uns der Foto­graf den gan­zen Menschen vor Augen.     Dam­it unter­läuft er das Prin­zip der Porträt­fo­to­grafie, was ins­beson­dere für Künst­ler, Philo­sophen, Schaus­piel­er und Musiker aus­ge­sprochen gut funk­tioniert. Um die Begier­den der Fans zu befeuern geben sich Diven gerne den Hauch des Unnah­bar­en. Es kann auch ein Schutz­schild sein, um sich ein wenig Privat­sphäre zu bewahren. Bei Mark wird der Schlei­er dieser Unnah­barkeit selbst bei Akt­b­ildern nicht gelüftet. Das Ferne liegt Oliv­er Mark nicht sel­ten nah. Camer­on Car­penter foto­grafiert er nicht an sein­er ber­üh­mten Orgel, während er gen­i­al­isch die Tasten schlägt und seine Füße auf den Pedalen tan­zen. Mark bit­tet sein­en Per­son­al Train­er sich nackt auf das Genie in Frack und Fliege zu legen. Beide lie­gen am Boden.

    Auf einem weit­ern Bild liegt Car­penter sel­ber nackt auf dem Sofa. Ein Glas Milch sor­gt dafür, dass wir sein Gemächte nicht sehen. Mark erzählt gerne von den Ein­fäl­len während des Shoot­ings. In beiden Auf­nah­men sor­gt ein blaues Schaf­s­fell für ein irrwitzig manier­istisches Bild. Der Foto­graf sitzt oft zwis­chen zwei Stüh­len. Ein­er­seits kom­mt er den Aufträ­gen sein­er Kun­den nach, ander­er­seits liebt er seine künst­lerische Freiheit und bleibt ihr treu. Markus Lüpertz hat diese Span­nung ein­mal so bes­chrieben: „Die Auftragge­ber können sagen: Mach eine Kreuzi­gung, aber wie ich sie darstelle, ist meine Geschichte. Ich bin in diesem Moment nicht Gottes Erfül­lungs­ge­hil­fe. Da bin ich – bei aller Got­tgläu­bigkeit – gottlos, weil über Gott noch das Genie steht, der Künst­ler.“ Sol­che dandy­haften Sätze hatte Emil Schu­mach­er als Mit­glied des Ordens Pour le mérite für Wis­senschaften und Kün­ste nicht nötig. Sein­en Kampf als Maler des Informel führt er völ­lig souver­än mit sein­en lan­gen schwar­zen Pin­seln bis in alle Ewigkeit weit­er. Es bleiben viele Fra­gen. Es ist ein Fest für unsere Syn­apsen und Neurotransmitter. 

    Stumm bleiben die Bilder für alle, die keine Sinne haben für Abgründe und schwar­zen Humor, für Schick­sal und Mensch­liches bez­iehung­s­weise All­zu­mensch­liches, für Über­mut und das Dionys­is­che, das in den Kün­sten weit­er­lebt.  War­um weint der Künst­ler Via Lewan­dowsky? Haben wir Dieter Haller­vorden jemals so ver­let­z­lich und majestät­isch zugleich gese­hen? Ver­mut­lich nicht. Mark bleibt empath­isch und hin­ter­gründig. Den deutschen Autor und Regis­seur Thomas Har­lan zeigt er uns im Roll­stuhl in sein­er Heimat im Ber­cht­es­gaden­er Land. Mia Far­row trägt ein Holzkreuz und erin­nert mehr an eine schwäbis­che Haus­frau als an eine Schaus­piel­er­in aus dem Film Mid­sum­mer Night’s Sex Com­edy von Woody Allen. Sie wirkt hier sehr nachden­k­lich und nicht so glück­lich wie bei der Pulitzer Pre­is-Ver­lei­hung 2018. Zit­iert das Bild vom Künst­ler Wolfgang Lug­mair den ber­üh­mten Sieb­druck von Andy War­hol Gold Mar­ilyn Monroe[2], die ber­üh­m­teste Ikone der amerik­an­is­chen Pop­kul­tur ein­er mel­an­chol­ischen Diva? 

    Muss man dem armen Ralf Zier­vo­gel wirk­lich ein­en Zier­vo­gel vom Weih­nachts­baum an die Nase klem­men? Die Ant­wort von Oliv­er Mark lautet sch­licht­weg: „Ja!“


  • Nicht von dieser Welt. In rumänischen Klöstern steht die Zeit still. Der Fotograf Oliver Mark fand Zugang zu einem verwunschenen Kosmos.

    Andreas Öhler, Die Zeit.


  • Klöster der Bukowina. “Immer mit einem glücklichen Lächeln”

    Monopol | Magazin für Kunst und Leben.

    Monopol-Artikel: „Klöster der Bukowina“.

  • Bucovina – Monastery Life

    (German: Bukowina – Klöster leben)

    Pub­lish­er: Liecht­en­stein­isches Landes­mu­seum, 2018
    Edit­or: Rain­er Vollkom­mer, Liecht­en­stein­isches Landes­mu­seum
    Ger­man, Eng­lish, Romani­an. 112 pages, 3 cov­ers. Soft­cov­er, 21,6 × 25,6 cm.
    ISBN: 978–3‑9524770–3‑8

    Concept and Pho­tos: Oliv­er Mark
    Design: Anja Stein­ig, studiof.de

    With texts by Prof. Dr. Rain­er Vollkom­mer, Dr. Con­stantin-Emil Ursu, Pr. Teodor Bradatanu.

    The cata­logue was pub­lished on the occa­sion of the exhib­i­tion Bukow­ina. Klöster leben. at the Bukov­ina Museum, Suceava, Romania in 2018, at the Liecht­en­stein­isches Landes­mu­seum, Vaduz in 2019, and at the St Thomas von Aquin Church in Ber­lin 2019–2020.

    Nicht von dieser Welt. In rumän­is­chen Klöstern steht die Zeit still. Der Foto­graf Oliv­er Mark fand Zugang zu einem ver­wun­schen­en Kos­mos.
    Andreas Öhler, Die Zeit, 29.03.2019.


  • 11 Fragen an… OLIVER MARK

    Spielfeld Berlin.


  • Oliver Mark – Natura Morta

    Peter Lindhorst.


  • Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien, 2017

    Natura Morta. Photographien von Oliver Mark in Korrespondenz zu Stillleben-Gemälden der Sammlung

    About

    Natura Morta, Oliv­er Mark’s cur­rent pro­ject, is ded­ic­ated to the ques­tion of how human beings treat their envir­on­ment and the nat­ur­al world, focus­ing in par­tic­u­lar on the anim­al king­dom as well as the aes­thet­ics and beauty of death. In the sev­en­teenth and eight­eenth cen­tur­ies, the still life genre, ori­gin­ally known as natura morta – ‘dead nature’ –, became estab­lished as stil leven in Hol­land and Still­leben in Ger­many. In this trans­ition, the notion behind the genre shif­ted from the Lat­in and Itali­an mean­ing. How­ever, if one takes life as exist­ence or being, and still as inact­ive in the sense of dead, the term con­tin­ued to express a very sim­il­ar idea, even if not quite identic­al. For his present pro­ject, Oliv­er Mark has delib­er­ated chosen the ori­gin­al Lat­in term as a way of high­light­ing the con­trast between nature = life and life­less = dead. What we dis­cov­er in his pho­to­graphs did once live and, in almost every case, was killed in the prime of life by human hand. Moreover, the natura morta term strongly shifts the focus to the anim­al and plant king­doms, pla­cing human­ity in the back­ground. Even if, of course, human beings are a part of nature, we are only one small part com­pared to nature’s vast diversity.

    Oliv­er Mark’s still life pho­to­graphs were taken in a Ger­man cus­toms’ stor­age room in Bonn where the court exhib­its are kept. In his pho­tos, he orches­trates objects con­fis­cated by the cus­toms as clas­sic art still lifes – from leo­pard skulls and carved ivory to products from cro­codile, tor­toise or turtle, parts of pro­tec­ted anim­als and plants, hunt­ing trophies, snake­skin gar­ments, music­al instru­ments from valu­able trop­ic­al woods, and souven­irs such as sea horses, cor­al, snails and sea shells.
    Oliv­er Mark presents his works in his­tor­ic paint­ing frames. In the Paint­ings Gal­lery, this gen­er­ates par­al­lels between the genres of paint­ing and pho­to­graphy, but also between pho­to­graph­ic and painted still lifes. Togeth­er with Oliv­er Mark’s pho­to­graphy, the Paint­ings Gal­lery is show­ing nine works from its own col­lec­tion by artists such as Willem van Aelst, Philips Angel van Mid­del­burg, Abra­ham van Beyer­en, Jan van der Hey­den, Max­imili­an Pfeiler, Abra­ham Susenir, Jan Weenix, and the suc­cessors of Peter Paul Rubens, cre­at­ing new per­spect­ives on mas­ter­pieces of sev­en­teenth-cen­tury Dutch art.

    In this way, vis­it­ors can explore a wide range of asso­ci­at­ive ideas. Ideally, these pro­duce new and dif­fer­ent views of seem­ingly ‘well-known’ paint­ings in the col­lec­tion, or encour­age the aes­thet­ic enjoy­ment of the pho­to­graphs and lead to reflec­tions on how human­ity treats the nat­ur­al world.

    In the Nat­ur­al His­tory Museum, where a fur­ther three groups of Oliv­er Mark’s pho­to­graph­ic works are shown jux­ta­posed with anim­al spe­ci­mens, the focus is on the pro­tec­tion of endangered spe­cies. The trade in anim­al and plant spe­cies is reg­u­lated under inter­na­tion­al law, ban­ning many souven­irs from being impor­ted into the sig­nat­ory coun­tries. The author­it­ies enforce this law under the Con­ven­tion on Inter­na­tion­al Trade in Endangered Spe­cies of Wild Fauna and Flora (CITES), which pro­tects over 35,000 threatened anim­als and plants and was rat­i­fied by Aus­tria in 1982.

    Oliv­er Mark’s impress­ive pho­to­graphs offer space for ideas and asso­ci­ations across a broad spec­trum of top­ics: How do people treat their envir­on­ment? What so fas­cin­ates us about the still life genre? And what dis­tin­guishes paint­ing from photography?

    Julia M. Nauhaus, Dir­ect­or of the Pic­ture Gal­lery Academy of Fine Arts Vienna

  • Die Rückkehr der Moral

    Brigitte Borchhardt-Birbaumer, Wiener Zeitung.