Oliver Mark

Collaborations I - invited by Pater Georg Maria Roers SJ  - Concept Oliver Mark - An exhibition with 61 artists

Guardini Stiftung, Askanischer Platz. 4, 10963 Berlin, Opening April 5th at 7 pm. Exhibition April 6th until May 11th 2022, Mon. -  Fri.  13:00 - 18:00 h

 

ARTIST TALK 28. April, 19:00 h with: Oliver Mark, Klaus Mosettig, Sabine Reinfeld and Father Georg Maria Roers SJ. Moderation Andreas Öhler

GALLERY WEEKEND 2022 April 29th  and 30th and Mai 1th opening ours 13:00 - 18:00 h

FINISSAGE 11. Mai 2022  19:00 h, Performance FRAU FINISSAGE von Sabine Reinfeld

 

Oliver Mark invited 61 artists to work on his photos. Anything could be done to them: cutting, scratching, twisting, framing, pasting, mounting, embroidering and painting beyond recognition. The interventions were as surprising as they were innovative. The format was variable - so was the type of photo paper.
Sometimes the photo was glossy or matt, sometimes on baryta paper, hahnemühle paper or canvas, etc. It was up to the artists to decide. Two prints were made, with one work remaining with each artist.  

      The exhibition was made possible by the art commissioner of the Archdiocese of Berlin Father Georg Maria Roers SJ.

Oliver Mark hat 60 Künstlerinnen und Künstler eingeladen seine Fotos zu bearbeiten. Damit konnte alles gemacht werden: zerschneiden, zerkratzen, verdrehen, rahmen, bekleben, aufziehen, besticken, bemalen bis zur Unkenntlichkeit. Die Interventionen sind so überraschend wie innovativ.
Das Format war variabel – die Art des Fotopapiers auch. Mal war das Foto glänzend oder matt, mal auf Barytpapier, Hahnemühle oder Leinwand etc. Es blieb den Künstlerinnen und Künstlern überlassen wie sie vorgehen. Es wurden je zwei Abzüge gefertigt, wobei je eine Arbeit bei den jeweiligen Künstlern verblieb.
     
Die Ausstellung wurde durch den Kunstbeauftragten des Erzbistums Berlin Pater Georg Maria Roers SJ ermöglicht.

Collaborations with 

Saâdane Afif            Matthias Beckmann            Olivia Berckemeyer             Eva Berendes           Daniel Biesold            Norbert Bisky           Anina  Brisolla         Laura Bruce           Maria Brunner          Joanna Buchowska            Andreas Bunte          Björn Dahlem      Giorgio de Chirico           Sven-Ole  Frahm            Tine Furler          Franziska Goes            Lennart Grau             Gregor Hildebrandt             Philip Grözinger           Harald Hermann            Ellen Martine Heuser            Benedikt Hipp        Christian Hoischen        Shaikh Rashid bin Khalifa Al Khalifa            Florin Kompatscher             Timo Kloeppel            Clemens Krauss             Michael  Kunze              Wolfgang Lugmair            Via Lewandowsky            Bernhard Martin            Isa Melsheimer            Klaus Mosettig               Frank Nitsche           Agustin Noguera        Ena Oppenheimer           Lea Pagenkemper             Tim  Plamper                 Manfred Peckl              Sabine Reinfeld                Lisa Reitmeier               Benedikt Richert            Gerd Rohling          Michael Sailstorfer                 Karin Sander          Sophia Schama     Thomas Scheibitz                Aline Schwibbe           Johanna  Silbermann           Heidi Sill             Yasmin Sharabi                 Sabine Springer          Philip Topolovac              Christopher Winter          Hansa Wißkirchen             Carsten Wirth             Angelika Zeller                    Sarah Zelmati              Ralf Ziervogel              Thomas Zitzwitz               Filip Zorzor                            

 

Die Ausstellung wurde unterstützt durch das Erzbistum Berlin und dem Verein Ausstellungshaus für christliche Kunst e. V.

 

Von der Aktualität Fotos zu schießen

Mit einem Bleistift hat Marcel Duchamps der Mona Lisa von Leonardo da Vinci 1919 auf einem Foto Schnurrbart und Spitzbart gezeichnet. Ein altes Gemälde wird auf diese Weise in ein neues Jahrhundert gebracht. Seither können wir von einer Renaissance der Bilder sprechen, vor allem hundert Jahre später. Das neue Bild wurde damals als ein Rectified readymade bezeichnet, es war plötzlich ein verbessertes Bild. Dem Impuls zu folgen und ein berühmtes Kunstwerk einfach zu verändern ist also nicht neu. Allerdings braucht es die künstlerische Inspiration, das nötige Talent und den nötigen Impuls dazu, Bilder im Sinne der jeweiligen Komposition zu verändern. Diese Gabe ist nicht jedem Menschen gegeben. Kunst reagiert auf spezifische Weise auf Kunst. Wer Lust hat professionell Bilder zu machen, hat auch Lust Bilder zu verändern. Das kann auf vielerlei Weise geschehen. Die ständige Veränderung von Bildwelten hat im Allgemeinen zugenommen. In keinem Jahrhundert gab es so viele Bilder wie heute. Ist jedes Bild gleich ein Kunstwerk? Letztlich wird sich die Frage nur im Vergleich lösen lassen im Blick auf die Prinzipien der Kunstgeschichte. Ein und dasselbe Motiv kann in einem Fall ein Schnappschuss sein und im anderen Fall ein hoch komplexes Werk, das sich nicht auf den ersten Blick erschließt. Ein Schnappschuss kann aus vielen Gründen in die Kunstgeschichte eingehen oder nicht. Er kann auch untergehen und irgendwann wieder auftauchen. Die Kunst ist Moden unterworfen, wie die Musik. Allerdings werden die Gesetzmäßigkeiten, nach denen Bilder oder Songs funktionieren, nicht einfach außer Kraft gesetzt. Die milliardenfache Wiederholung bestätigt dies nachhaltig. Deshalb wird es entweder immer schwerer, neue Bilder zu finden, oder immer einfacher. Das hängt vom jeweiligen Standpunkt und den Maßstäben ab, die man zugrunde legt. Es war spannend zu erleben, wie die hier gezeigten einundsechzig Künstlerinnen und Künstler innerhalb von zwei Monaten (Februar / März) auf die Idee von Oliver Mark reagieren würden, einige seiner Fotografien zu bearbeiten. Würden die Kunstwerke rechtzeitig zur Ausstellung vor Ort in Berlin sein? Motive und Größen waren unterschiedlich. Der Fotograf Mark kann unmöglich alle seine Bilder gleichzeitig im Kopf haben. Vielleicht doch? Sein Computer mag ihm dabei helfen, sich alle vor Augen zu führen. Die Schnelligkeit mit der Mark arbeitet bleibt sein persönliches Geheimnis. Es wurden jeweils vier bis zehn Bilder auf kurzem Wege verschickt. Die Bitte lautete, diese zu bearbeiten. Die Resultate waren in der Guardini Galerie von April bis Mitte Mai 2022 zu sehen. Die Arbeit eines Fotografen ist vielfältig. Das hat Oliver Mark tausende Male gezeigt. Unter anderem im Katalog no show (Distanz Verlag, Berlin 2019). Dort schrieb ich am Anfang: Oliver Mark hat zwei Gründe genannt, warum er als Fotograf arbeitet. „Entweder für Bilder oder für ein Honorar.“ Mir scheint, hier fehlen einige wesentliche Dinge. Dazu gibt er ebenfalls bedenkenswerte Hinweise. Auf der einen Seite bringt es sein Beruf mit sich, Cate Blanchett in einem Moment abzulichten, wo sie scheinbar völlig entspannt in einem englischen Clubsessel mehr liegt als sitzt. Einfach wie hingegossen. Die Eleganz des Raumes hat gegen die Aura dieser Schauspielerin nicht den Hauch einer Chance und verblasst. Auf der anderen Seite weiß nur der Fotograf: Er hatte nur einen Versuch beziehungsweise drei Minuten, um das Bild zu machen. Dabei ist er immer auf der Suche nach einer perfekten Form, einem in sich ruhenden Ausdruck. Die Künstlerinnen und Künstler konnten mit den Fotos von Oliver Mark alles machen: zerschneiden, zerkratzen, verdrehen, rahmen, bekleben, aufziehen, besticken, bemalen bis zur Unkenntlichkeit. Die Interventionen sind so überraschend, wie innovativ. Das Format war variabel – auch die Art des Fotopapiers. Mal war es glänzend oder matt, mal auf Barytpapier, Hahnemühle oder Leinwand etc. Es blieb den Künstlerinnen und Künstlern überlassen, wie sie vorgehen. Es wurden je zwei Abzüge gefertigt, wobei je eine Arbeit bei den jeweiligen Künstlern verblieb.

Vom Verhüllen und Zerschneiden

Saâdane Afif hat ein Bild der Bundeskanzlerin a. D. Angela Merkel gewählt. Aber man sieht gar nichts von der ersten Frau in diesem Amt. Ein gerolltes Papier verdeckt den Blick. Genauer gesagt, sieht man also fast nichts – außer einer weißen Hose mit Bügelfalten. Dieses Bild macht zum jetzigen Zeitpunkt dem Betrachter klar, dass die ehemalige Regierungschefin aus den öffentlichen Medien so gut wie verschwunden ist, als habe es sie gar nicht gegeben. Handelt es sich hier um eine Damnatio memoriae (Verdammung des Andenkens), wie wir sie aus der Welt der alten Ägypter kennen? Man kann das Bild verstehen als Kritik an der Politik der vorherigen Koalition oder als Erinnerung daran, dass wesentliche Politikfelder bereits heute schon wieder Makulatur sind. Allerdings muss man dazu wissen, wer hinter dahinter steckt. Würden wir das wissen, wenn wir den Vorhang lüften könnten? Diese Fragen stellt Afif mit einem genial einfachen Eingriff, der das Foto nicht antastet. Die perfekten Kompositionen Marks wurden von allen anderen Künstlerinnen und Künstler auf ihre Weise ergänzt, zerstört, zerschnitten, zur Collage (Joanna Buchowska, Laura Bruce) verarbeitet, zum Gemälde (Christopher Winter) gemacht oder mit Goldfäden (E.M. Heuser) versehen. Feines Gold passt zur Papstbüste aus dem Bodemuseum in Berlin. Genauso wie der Kopf, den Angelika Zeller einer Frau mit Reifrock im Rosenmuster in den Schoß gelegt hat. Einem antiken androgynen Marmorkopf wurde im einen Bild Glitter (Sarah Zelmati), in einem anderen ein wenig Lidschatten (Michael Sailsthorfer) aufgelegt. Es ist dieselbe griechische Skulptur. Dieses Motiv haben Tine Furler und Ena Oppenheimer auf ihre Weise interpretiert. Es erinnert an Constantin Brancusis Schlafende Muse (1957, Centre Pompidou in Paris). Alle Bilder, die Kunstwerke aus der Vergangenheit zeigen, katapultieren diese über das Medium des bearbeiteten Fotos in die Moderne. Der Reiz, alt und neu zu kombinieren, stellt neue Bezüge unter den Kunstwerken her. Es ist ein nicht enden wollender Dialog. Dazu passt der im Vom Verhüllen und Zerschneiden Rausch befindliche oder der in Trance gefallene junge Mann, dem bunte Pillen auf die Wangen geklebt (Augustin Noguera) wurden. Das Augenweiß wirkt skurril, die Lippen sind knallrot geschminkt. Das Spiel mit dem Androgynen fördert die Schaulust, weil es irritiert. Eine klassische römische Kaiserbüste (Baccio Bandinelli, Marmorbüste eines jungen Mannes, um 1537/1540 Skulpturensammlung, Staatliche Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz) erhält neue Gesichtszüge in Form von roten Linien. Die Büste erhält einen roten Bart in Form von roten Fäden, die aus dem Bild heraushängen (Heike Sill). Eine fotografierte Skulptur wird in einer fantastischen Metamorphose wieder zu einer Skulptur. Manche Künstler haben gleich mehrere Motive ausgewählt. Andreas Bunte hat Ausschnitte aus seinen eigenen Filmen (Film Stills) in die Fotos eingebracht. Auf der Kroeckerstraße wird geraucht. Wer macht gymnastische Übungen auf der Ziegelstraße? Wer seift sich auf dem Washingtonplatz die Hände ein? Auf der Großbeerenstraße öffnet jemand Coca-Cola-Dosen, in der Schöneberger Straße scheint jemand zu zeichnen. Die Fotos der Straßen und menschenleeren Plätze der Stadt von Mark fotografiert, zeigen die Tristesse von Berlin im klassischen Schwarz- Schweiß während der Pandemie 2020/21. Durch Bunte werden sie neu belebt. So entstehen neue Perspektiven und Sichtweisen im Stadtraum. Ralf Ziervogel schreibt auf feines Papier (Hahnemühle) ein Netz von Worten und Sätzen. Er schreibt sie quasi auf die Oberfläche der Unendlichkeit des Meeres, wo sie zum Himmel schreien. Sophia Schama hat demselben Motiv eine fette aufsteigende Linie hinzugefügt. Könnte es ein Bergmassiv sein, so als sähe man den Fudschijama ohne Tokio. Matthias Beckmann hat das Motiv vom Meer mit dem unendlichen Horizont genutzt, um fliegende Autos in den Himmel zu zeichnen. So wird ein Sehnsuchtsmotiv der Romantik vermischt mit den Sehnsüchten der heutigen Zeit. Der Traum vom fliegenden Auto. Benedikt Richert hat aufdasselbe Foto einen Sonnenaufgang bzw. Sonnenuntergang gemalt. Wir wissen hier so wenig wie auf dem Gemälde von Caspar David Friedrich Zwei Männer am Meer (1817, Alte Nationalgalerie Berlin), wann die Szene sich abspielt. Ist es die Morgen- oder die Abendsonne? Philip Grözinger malt ein Boot, das in See sticht. Dazu einen Mond und drei Berge, daneben ein Kometenstreif. Ein Theologe sieht vielleicht Jesus in dem Boot sitzen, wie er den Leuten an Land predigt. Es mag einem auch das Boot von Ai Weiwei Law of the Journey (2017, Nationalgalerie Prag) in den Sinn kommen. An Drahtseilen hing ein 70 Meter langes Schlauchboot, in dem 258 überlebensgroße, aufblasbare Figuren saßen. In Grözingers Boot sitzt nur eine Person. Der Torso im Freibad von Timo Kloeppel trägt den Titel: Es gibt nur das Dazwischen. Der Künstler hat ein zweites Foto gewählt: eine einsame Bucht. Zwei Zettel ragen wie zwei Stege ins Wasser. Der Text ist nur in der Ausstellung zu lesen. Ein anderer antiker Akt wird von Carsten Wirth mit kleinen quadratischen weiß bemalten Flächen bedeckt. Die Arbeit heißt jetzt: Armor for Sculpture. Der nackte Körper erhält eine Rüstung und einen Helm. Beides schützt und scheint gleichwohl eine Zierde zu sein. Die linke Brust und der Bauchnabel bleiben frei, der Helm hat kein Visier. Damit erhält der fragile Zustand des Torso seine malerische Entsprechung und hält zugleich die Spannung aufrecht. Dieselbe Skulptur wartet bei Maria Brunner mit zwei Schmetterlingen als Augen auf. Der ökologische Blick will eingeübt sein. Der Eingriff in das Foto ist überschaubar, hat aber einen großen Effekt. Der Torso ist hier stärker belichtet. Der Kopf trägt Locken und eine Art Hut. Die Dynamik im Bild ist eine andere. Daniel Biesold zeigt uns eine weitere Variation des Torso. Er hat ihn mit einer violetten Malschicht überzogen, die Tiefe verleiht. Die Figur scheint aus der Malerei hervor zu scheinen. Biesold hat zwei weitere Fotos bis zur Unkenntlichkeit übermalt. Das Krakelee hinterlässt weiße Spuren. Das Bild scheint älter zu sein, als es ist.

Ich musste für diese Ausstellung selber in eine Maske schlüpfen, die Isa Melsheimer aufwändig hergestellt hat. Mittlerweile ist die Maske auf mysteriöse Weise verschwunden und das Foto (Mark) von dem etwas schamanisch anmutenden katholischen Priester in einer Marienkapelle ist nicht nur ein Original, sondern ein Unikat. Das Modell, ein Priester, ein Jesuit, die Künstlerin eine Zauberin, der Fotograf ein Erfinder einer Welt, die es nur in Teilen gibt. Das macht die gute Mischung geheimnisvoller Kunst aus. Es ist verblüffend, wie Marks Foto einer Stadt in einem Wüstenstaat Same Time durch Gerd Rohling fast übergangslos zu einem Winterbild mit einem schneebedeckten Sessel wird und wie Marks grün gekachelte Betonlandschaft vor einer Bergkulisse von Eva Berendes zu einem abstrakten Kunstwerk wird, ebenso bei Ellen Martine Heuser (dasselbe Motiv aus anderer Perspektive). Sabine Springer hat aus dem Bauplan der Guardini Galerie einen Turm gebaut, auf dem ein Text des Theologen Guardini von ihr kommentiert wird. Er trägt den Titel: Worte nutzen sich ab. Wie sah das Foto Marks aus, bevor daraus von Frank Nitsche Friedrichshain Zero wurde? Das ist weder erkennbar bei dem Werk von Lennart Grau, noch bei Aline Schwibbe, weil übermalt. Bei der Ölmalerei von Johanna Silbermann gehen die Pflanzen fast unmerklich in die Vorgaben des Fotos über. Franziska Goes hat einer Wüstenlandschaft entweder eine Straße und ein Fluss beigefügt oder nur die entsprechenden Farben und Formen. Dann wären es Hinzufügungen, die abstrakt bleiben. Was bedeutet es, wenn Florin Kompatscher sein Bild eine Invasion nennt in Zeiten des russischen Krieges gegen die Ukraine? Auf den ersten Blick wird nicht deutlich, wie Thomas Zitzwitz die Vorlage von Mark verändert hat, weil es nur ein geringfügiger Eingriff war, während man bei Anina Brisolla nicht mehr weiß, wie das ursprüngliche Motiv ausgesehen haben mag. Bernhard Martin erfindet die Malerei Besenfresser Track inmitten der Wüste. Ein Bild, das Kritik übt an der Förderung vom Öl – weltweit. Eine Frau mit ausladenden Brüsten und einer überdimensionalen, von Warzen besetzten Nase hält die Welt und gleichzeitig ein Ölfass in Händen. Im Hintergrund befindet sich ein intaktes Ölfeld mit entsprechenden Pipelines, die unaufhörlich liefern. Graue Wolken bedecken den Himmel. Eine offenbar ähnliche Anlage wird von Shaikh Rashid bin Khalifa Al Khalifa (Bahrain) zu einem poetischen Bild. Die Verbrennung von gefährlichen Gasen auf einem Ölfeld schaut wie ein mystischer Vorgang aus, der von einem imaginären Licht von oben seinen Segen erhält. Lea Pagenkemper macht aus derselben Vorlage von Mark ein Gemälde auf dem vor allem ein paar Flammen zu sehen sind. In seinen beiden Gemälden hat sich Thomas Scheibitz antike Säulen im korinthischen Stil auf einem Foto vorgenommen. Umbertide I heißt das eine. Der Himmel ist hier neongelb gefasst. Die blaue Fläche über der linken Säule steht hier Kopf und gegenüber dem hebräisch anmutenden Buchstaben Resh (steht für R) unter dem Kapitell. Auf Umbertide II wirkt das blaue Feld selber wie ein Kapitell, wie ein Dach. Die abstrakten Flächen legen sich über die Antiken. Sie korrespondieren damit und untereinander, bleiben sperrig. Klaus Mosettig hat ein Foto von einem manieristischen Gemälde bearbeitet. Wird hier der Leichnam Jesu von mehreren Männern weggetragen? Das Bild wurde zerteilt. Die harmonischen grellen und freundlichen Farben erhalten in ihrem schwarzen Graphit ein schweres Gegengewicht. Es könnte zugleich ein Blick sein in molekulare Knochenstrukturen. In seiner Serie der sogenannten Selbstporträts (2011) untersucht Mosettig Selbstporträts, die beispielsweise Käthe Kollwitz und Lovis Corinth geschaffen haben. Er zeichnet diese Bilder ab und verdoppelt, spiegelt sie. Er stellt sie buchstäblich auf den Kopf. Er spielt mit den Motiven, die ihm die Kunstgeschichte vorgibt oder Oliver Mark. Und das ist das Spannende an dem komplexen Unternehmen Collaboration, das Oliver Mark konzipiert hat. Die römische Eins hinter dem Titel schreit nach einer Fortsetzung. Sein Reservoir an Bildern scheint unerschöpflich zu sein. In diesen Bilderstrom hat er seine Freundinnen und Freunde, seine Kollegen von fern und nah mit einbezogen. Viele davon leben in Berlin, was die Logistik beschleunigt hat. Andere an ferneren Orten wie etwa Bahrain. Das Abenteuer hat durch die Zusammenarbeit mit Christian Hoischen begonnen. Eine gechraschte grüne Edelkarosse und ein verfremdeter Frauenakt, beides große Formate, zeugen davon. Im Frühjahr 2022 hatte die Fahrt durch die Bilderwelt seine Höchstgeschwindigkeit erreicht. Sechs Tage vor der Ausstellung schickte Via Lewandowsky seinen Beitrag, der so lakonisch wie genial ist. Auf eine ausgequetschte Farbtube, die Farbe weiß steht für die Unschuld, hatte er in die Farbe hinein ein Foto von Oliver Mark gesteckt. Es zeigt seinen Archivschrank voller Abzüge und Graphiken. Selbstverständlich hat Lewandowsky Ölfarbe verwendet. Kann man mehr Anspielungen auf Bilder in den Bildern machen? Ob die Farbe bis zur Eröffnung der Ausstellung trocken wird? Wir wissen es nicht! 

Georg Maria Roers SJ

 

𐄹

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