Wolodymyr Zelenskyy is crossing the Studio in the Sky.

Über

Ver­liert der Him­mel seine Unschuld?

Meine Arbeit Wolodymyr Selen­skyj is cross­ing the Stu­dio in the Sky bewegt sich im Res­on­an­zraum ein­er existen­zi­el­len Geset­zmäßigkeit, die sich in Selen­skyjs Mahnung konden­siert: Ohne Euch wird die Freiheit verlieren.

Der tech­nis­che Ablauf der Arbeiten ist bewusst sim­pel gehal­ten: Von meinem Ber­liner Atelier mit seinem 360-Grad-Pan­or­amablick aus foto­grafiere ich den freien Him­mel – Wolken­form­a­tion­en, Licht­s­tim­mun­gen oder das flüchtige Vorbeizei­hen von Hub­s­chraubern. Der eigent­liche Ein­griff liegt im Tim­ing: Jede Auf­nahme entsteht exakt in jen­en Stun­den, in den­en der ukrain­is­che Präsid­ent zu einem Staats­besuch in der Stadt weilt. Der titel­gebende Name ver­weist auf diese zeit­liche Koin­zidenz, die im Bild selbst unsicht­bar bleibt, aber als präzises Datum und Uhrzeit im Werktitel fest­ges­chrieben wird.

Das Sub­jekt selbst bleibt auf den Bildern phys­isch unsicht­bar, oder ver­birgt sich in der Anonym­ität eines der gezeigten Hub­s­chrauber. Mich interessiert dabei das Wech­selspiel zwis­chen der med­it­at­iven Ruhe des Him­mels und der unsicht­bar­en Präsenz welt­polit­ischer Kris­en in unser­em All­tag. Es geht mir um die Dekon­struk­tion ein­er Idylle: Eine ver­meint­lich ver­traute visuelle Romantik wird durch den Titel im Kopf des Betrachters hin­ter­fragt. Ein vorbeiflie­gendes Objekt ver­bind­et sich augen­blick­lich mit den Real­itäten der Geg­en­wart – Luftraumüber­wachung, Drohnen­tech­no­lo­gie, höch­ste Sich­er­heitsstufe. Kunst und Geo­pol­itik rück­en hier für ein­en Moment unun­ter­scheidbar zusammen.

Die Arbeit macht für mich sicht­bar, dass Freiheit im 21. Jahrhun­dert kaum noch ohne massive Sich­er­heits­vorkehrungen den­k­bar ist; die offene Gesell­schaft gre­ift para­dox­er­weise auf das eng­maschige Netz staat­lich­er Sich­er­heit­sar­chitek­tur zurück. Der pan­or­amis­che Rundum­blick des Ateliers wird so unwillkür­lich von der ästhet­ischen Per­spekt­ive zur Meta­ph­er ein­er lück­en­losen Über­wachung. Da der ukrain­is­che Wider­stand die europäis­che Friedensord­nung ver­tei­digt und die Gren­zen des Kontin­ents im ges­amteuropäis­chen Interesse gegen imper­iale Ans­prüche gefest­igt wer­den müssen, gibt es keine echt­en Nis­chen der Neut­ral­ität mehr. Das unbeschwerte Blick­en in den Him­mel wird zu einem Priv­ileg, dessen geo­pol­it­ische Voraus­set­zun­gen andernorts unter existen­zi­el­len Opfern ver­tei­digt werden.

Gleichzeit­ig len­ke ich den Blick darauf, dass die Bed­ro­hung längst das Innere freier Gesell­schaften bet­rifft. Hybride Angriffe, Desin­form­a­tion und das Erstarken extremer Ränder destabil­is­ier­en die west­liche Mitte. Freiheit muss dah­er an zwei Fron­ten gedacht wer­den: phys­isch an den Gren­zen und intellektuell in den Demokra­tien selbst.

Der freie Him­mel ist für mich das ulti­mat­ive Bild polit­ischer und gestal­terischer Freiheit. Doch im Raum des Stu­dio in the Sky kollidiert diese Offen­heit unwei­ger­lich mit der Real­ität. Der Blick nach oben hebt die ver­meint­liche Dis­tanz zum Welt­ges­chehen auf: Der Him­mel über Ber­lin geht nahtlos in jen­en Luftraum über, der andernorts zur Kon­f­liktzone wird. Mit dem Ver­lust dieser schützenden Isol­a­tion ver­liert der Him­mel seine Neut­ral­ität. Die Serie dok­u­mentiert den Moment, in dem die glob­ale Krise die lokale Wahrnehmung von Sich­er­heit durch­bricht – und der freie Him­mel seine Unschuld ver­liert, um zum Res­on­an­zraum welt­polit­ischer Ver­wun­d­barkeit zu werden.

About

Is the sky los­ing its innocence?

My work Volodymyr Zelenskyy is cross­ing the Stu­dio in the Sky oper­ates with­in the res­on­ance space of an exist­en­tial prin­ciple, con­densed in Zelenskyy’s warn­ing: Without you, free­dom will lose.

The tech­nic­al pro­cess of the work is delib­er­ately kept simple: From my Ber­lin stu­dio with its 360-degree pan­or­amic view, I pho­to­graph the open sky—cloud form­a­tions, moods of light, or the fleet­ing passing of heli­copters. The actu­al inter­ven­tion lies in the tim­ing: Each pho­to­graph is taken at the exact hours when the Ukrain­i­an Pres­id­ent is in the city for a state vis­it. The title refers to this tem­por­al coin­cid­ence, which remains invis­ible in the image itself but is anchored in the art­work’s title through a pre­cise date and time.

The sub­ject him­self remains phys­ic­ally invis­ible in the pic­tures, or hides with­in the anonym­ity of one of the heli­copters shown. I am inter­ested in the inter­play between the med­it­at­ive tran­quil­ity of the sky and the invis­ible pres­ence of geo­pol­it­ic­al crises in our daily lives. My aim is the decon­struc­tion of an idyll: A seem­ingly famil­i­ar visu­al roman­ti­cism is ques­tioned in the view­er­’s mind through the title. A passing object instantly con­nects with the real­it­ies of the present—airspace sur­veil­lance, drone tech­no­logy, the highest secur­ity levels. Here, art and geo­pol­it­ics merge indis­tin­guish­ably for a moment.

For me, the work makes vis­ible that free­dom in the 21st cen­tury is hardly con­ceiv­able without massive secur­ity pre­cau­tions; para­dox­ic­ally, the open soci­ety relies on the close-knit web of state secur­ity archi­tec­ture. The pan­or­amic view of the stu­dio thus shifts invol­un­tar­ily from an aes­thet­ic per­spect­ive into a meta­phor for seam­less sur­veil­lance. Since the Ukrain­i­an res­ist­ance defends the European peace order, and the bor­ders of the con­tin­ent must be for­ti­fied in the pan-European interest against imper­i­al claims, there are no true niches of neut­ral­ity left. Look­ing cas­u­ally up into the sky becomes a priv­ilege whose geo­pol­it­ic­al pre­requis­ites are being defen­ded else­where at exist­en­tial sacrifices.

At the same time, I dir­ect the focus toward the fact that the threat has long since reached the interi­or of free soci­et­ies. Hybrid attacks, dis­in­form­a­tion, and the rise of extreme fringes destabil­ize the West­ern cen­ter. Free­dom must there­fore be con­cep­tu­al­ized on two fronts: phys­ic­ally at the bor­ders and intel­lec­tu­ally with­in the demo­cra­cies themselves.

For me, the open sky is the ulti­mate image of polit­ic­al and cre­at­ive free­dom. Yet, with­in the space of the Stu­dio in the Sky, this open­ness inev­it­ably col­lides with real­ity. Look­ing upward dis­solves the sup­posed dis­tance to glob­al events: The sky over Ber­lin trans­itions seam­lessly into the air­space that becomes a con­flict zone else­where. With the loss of this pro­tect­ive isol­a­tion, the sky loses its neut­ral­ity. The series doc­u­ments the moment when the glob­al crisis breaks through the loc­al per­cep­tion of safety—and the open sky loses its inno­cence to become a res­on­ance space for geo­pol­it­ic­al vulnerability.