• Westhafen 1987

    Oliver Mark Westhafen 1987, Vintage Silver Gelatine Print 45,6 x 60,7 cm.

    glossy gelat­in sil­ver print 45,6 / 60,7 cm, prin­ted 1988

  • Stivali visti da dietro, 2024

    Isa´s boots 2024.
    Homage to Domen­ico Gnoli
    C‑Print
    Size: 85,7 × 120 cm
    Edi­tion 1/2 +1 E.A
  • Richard Serra, Siegen 2005

    Close-up portrait of Richard Serra.
    Born Novem­ber 2. 1938
    San Fran­cisco, Cali­for­nia, U.S.
    Died March 26. 2024 (aged 85)
    Ori­ent, New York, U.S.
  • Georg Maria Roers SJ , Berlin 2022

    Das Wag­nis des Loslas­sens

    Das Ver­hält­nis von zeit­genöss­is­cher Kunst und Kirche ist his­tor­isch kom­plex. Dass dieser Dia­log im säku­lar­en Ber­lin produkt­ive Impulse fre­is­et­zen kann, soll­te das Aus­s­tel­lung­s­pro­jekt „Col­lab­or­a­tions I“ im Früh­jahr 2022 in der Romano Guardini Galer­ie zei­gen. Die Schau basierte auf ein­er Koop­er­a­tion zwis­chen mir und dem Jesuiten­pa­ter Georg Maria Roers SJ, dem Kun­st­beau­ftragten des Erzbistums Ber­lin. Das Pro­jekt ver­han­delte im Kern eine fun­da­mentale Frage: Wer besitzt die Hoheit über das Bild?

    Die Guardini Stif­tung bot den kon­sequen­ten Res­on­an­zraum, da sich die Insti­tu­tion als For­um für den Aus­tausch zwis­chen Glaube, Wis­senschaft und Kul­tur ver­steht. Pater Roers, mit dem mich ein langjähriger Dia­log ver­bind­et, er ver­fasste bereits 2019 für mein Buch „No Show“ den Essay „der mensch ≠ anim­al rationale“, lud mich zu dieser Konzep­tion ein. Für mich bedeutete das Pro­jekt eine pro­gram­mat­ischen Gren­züber­s­chreit­ung: Ich über­ließ mein foto­grafisches Archiv dem Ein­griff Drit­ter.

    Die Ver­such­san­ord­nung fol­gte einem strikten Prin­zip. Ich über­gab 60 zeit­genöss­is­chen Künst­lern, dar­unter Saâdane Afif, Karin Sander, Thomas Scheib­itz und Isa Melsheimer Foto­abzüge zur mater­i­el­len Inter­ven­tion. Das Aus­gangs­ma­ter­i­al wurde in der­en Ateliers bearbeitet. Durch diese Demont­age der foto­grafis­chen Ober­fläche ver­lor das Primär­werk seine dok­u­ment­ar­ische Eindeut­igkeit. Es entstanden hybride Arte­fakte an der Gren­ze zur Malerei und Skulp­tur.

    Indem Pater Roers das Vorhaben im Raum ein­er kirch­lich geprägten Stif­tung insti­tu­tion­al­is­ierte, wurde das Zurück­tre­ten des eigen­en künst­lerischen Egos zu ein­er Reflex­ion über Demut im kreat­iven Prozess. Die Koop­er­a­tion bew­ies, wie sakraler Diskurs und pro­fanes Kun­st­sys­tem eine inhalt­liche Syn­these einge­hen können.

    Inner­halb dieses Zyklus nim­mt das Porträt „Georg“ (2022) eine Son­der­stel­lung als visuelles Mani­fest ein. Für die Auf­nahme wählte ich die Mari­en­kapelle der römisch-kath­ol­ischen Pfar­rkirche St. Can­isi­us in Ber­lin-Char­lot­ten­burg, um den Geist­lichen im litur­gis­chen Chor­man­tel (Plu­viale) festzuhal­ten.

    Die Zäsur erfol­gte durch eine skulp­turale Maske von Isa Melsheimer. Mit diesem Ein­griff ver­schwand das Gesicht hinter der künst­lerischen Inter­ven­tion. Was blieb, war die litur­gis­che Hülle, über­la­gert von ein­er avant­gard­istischen Form. Theo­lo­gisch stell­te diese Aus­löschung der Physiognomie für Roers ein stim­miges State­ment dar: Die Mas­kier­ung nim­mt das per­sön­liche Ego des Priesters zugun­sten sein­er Funk­tion als Werkzeug eines unsicht­bar­en Mys­teri­ums zurück. Das Bild ver­han­delt das Para­dox­on ein­er präsen­ten Abwesen­heit.

    Als Neben­produkt entstand par­al­lel eine unge­fil­terte Auf­nahme, das Porträt ohne Maske, welches hier dok­u­mentiert ist. Es bil­det das reale Gegenüber zu Melsheimers dekon­stru­iert­er Ver­sion und ver­voll­ständigt den Zyklus aus Ver­hül­lung, Selb­strück­nahme und der Freile­gung des Kerns.