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George Tabori, Berlin 2003

Eine Plattform für den Spielmacher
Mein Portrait von George Tabori aus dem Jahr 2003, entstanden unweit des Berliner Ensembles auf dem Bertolt-Brecht-Platz, isoliert das Subjekt durch die geometrische Staffelung von Fläche und Raum. Als Fundament diente mir eine mitgebrachte grüne Decke. Ich bat Tabori, in deren hinterem Drittel Platz zu nehmen, wodurch sie zwei Drittel des Vordergrunds besetzt und eine fokussierte Tiefenwirkung erzeugt. Das Bildmotiv bricht lustvoll eingefahrene Stereotype: Es zeigt den 89-jährigen Regisseur, wie er entspannt auf dieser Decke inmitten einer von gelben Blumen und Büschen gesäumten Wiese verweilt. Mir ging es darum, eine tiefe Leichtigkeit und Heiterkeit einzufangen. Die Komposition strahlt eine fast kindliche, sommerliche Ruhe aus, die im starken Kontrast zu Taboris oft tragischer Biografie und seinen tiefgründigen, makabren Theaterstücken steht.
Der Bildregie gingen pragmatische Überlegungen voraus, um der Gehbehinderung des Regisseurs zu begegnen. Da Tabori den halben Kilometer vom Theater zum Set nur mit Stock und Assistent bewältigen konnte, arrangierte ich die Kulisse als Sitzgelegenheit auf der Decke. Ein Polaroid des leeren, ausgeleuchteten Sets diente mir vorab als visuelles Argument, um den Künstler für den beschwerlichen Weg zu gewinnen. Diese physische Entlastung bildete das Fundament für jenen gelösten, unbeschwerten Gesichtsausdruck, der für mich die gesamte Bildkomposition prägt.
Das Portrait zeigt Tabori in seiner zeitlebens legendären, unangestrengten Eleganz: Er trug an diesem Tag einen schweren, eleganten Kaschmirmantel, eine braune Hose, schwarze Lederschuhe und ein rot-schwarz kariertes Hemd. Den hölzernen Gehstock hält er in der rechten Hand, ihn visuell auf die Kamera beziehungsweise den Betrachter zurichtend, wodurch die Gehhilfe zum integralen Bestandteil der Bildstruktur wird. Ich habe hier bewusst einen architektonischen Kontrast aufgebaut, der das Bild zwischen Natur-Idylle und Großstadt-Realität schweben lässt. Tabori ruht sprichwörtlich im Spannungsfeld zwischen weicher Natur und der harten, modernen Welt. Er lieferte sich hier ohne Prätention ganz dem Moment aus. Für mich verkörpert er jene nonchalante Würde, bei der äußere Erscheinung und innere Haltung eine Einheit bilden und Humor sowie Leichtigkeit spürbar werden.
Technisch reagierte ich auf die starke Bewölkung. Ein weiches Hauptlicht von rechts geblitzt, als eine Art künstliche Sonne im trüben Berliner Tageslicht, wird flankiert von einem starken Spitzlicht, das ich aus vier Metern Entfernung über seinem Kopf platzierte, um die Konturen aus dem diffusen Hintergrund herauszuschälen. Im rechten Hintergrund schimmert das IHZ-Gebäude durch; der eigentliche Entstehungsort selbst ist heute als kleiner Park überbaut.
Die handwerkliche Umsetzung bestimmt den Vintage-Print (30 × 24 cm). Fotografiert habe ich die Aufnahme mit einer Hasselblad 500C/M und einem 65mm-Weitwinkelobjektiv. Die entscheidende Interpretation fand bei der manuellen Entwicklung des C‑Prints in meiner Dunkelkammer statt. Ich habe die zentrale Figur abgewedelt, während ich den Himmel und die Blumen im Hintergrund so intensiv ausgearbeitet habe, dass der Eindruck von direktem Sonnenlicht entsteht. Dieser Eingriff im Labor korrigiert die Wirklichkeit des grauen Tages und legt die Persönlichkeit des Portraitierten frei – ein für mich sehr persönliches Dokument aus Taboris späten Jahren am Berliner Ensemble.
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HIERSEIN IST HERRLICH.

»So steht dann Einer also da«
-denkt sich Einer wohl so, wenn er sich, so Ab und An, in sich selber spiegelt. Mit innerem Blick imitiert der Eine und der Andere sich. Und dann und wann erschrickt mal Einer, weil ein Anderer blickt.‹Galerienhaus Lindenstraße 35, 10969 Berlin
10. September bis 24. September 2025Initiiert von Beate Slominski, der Gründerin der Food Biennale, Vorstandsvorsitzende des n.b.k. Neuer Berliner Kunstverein.






